INSTITUT FÜR SOZIALWISSENSCHAFTEN
ABTEILUNG FÜR DEUTSCHE SPRACHE UND LITERATUR
ZWILLINGSFORMELN IM BUCH DES DEDE KORKUT UND IHRE ÜBERSETZUNGEN IM DEUTSCHEN
Neşe Özlem UNCU 154206001001
MASTERARBEIT
Betreuer Prof. Dr. Zeki USLU
T. C.
SELÇUK ÜNİVERSİTESİ Sosyal Bilimler Enstitüsü Müdürlüğü
Öğr
encin
in
Adı Soyadı Neşe Özlem Uncu Numarası 154206001001
Ana Bilim / Bilim Dalı Alman Dili ve Edebiyatı / Alman Dili ve Edebiyatı Programı Tezli Yüksek Lisans Doktora
Tez Danışmanı Prof. Dr. Zeki Uslu
Tezin Adı DEDE KORKUT KİTABI'NDA İKİLEMELER VE ALMANCA'DA ÇEVİRİSİ
ÖZET
Bu çalıĢmanın amacı, Dede Korkut Kitabında saptanan ikilemelerin Almanca'ya çevirisini karĢıtsal dilbilim bağlamında incelemektir. Bu incelemede Dede Korkut Kitabı ve Hendrik Boeschoten tarafından Almanca yapılmıĢ çevirisi ele alınmaktadır. Eserdeki ikilemelerin ve çevirilerinin incelenmesi karĢıtsal deyiĢ bilimi kapsamında yapılmaktadır. Ġkilemeler, genellikle bir ifadeyi vurgulamak ve ifadenin anlamını güçlendirmek için kullanılır. Çok belirgin bir dil bilimi olgusu olan ikilemeler, çoğunlukla kültürel, coğrafi veya tarihi bir geçmiĢe sahiptir. Ġkilemelerin bu özellikleri çevirmenin iĢini zorlaĢtırmaktadır. Orijinal metinde saptanan ikilemeler, bu çalıĢmada eĢdeğerlik seviyesine göre sınıflandırılıp pragmatik bir bakıĢ açısıyla değerlendirilmektedir. Ġkilemelerin Türkçe'den Almanca'ya çeviri olasılıkları bu yönde incelenip açıklanmıĢtır. Yapılan inceleme neticesinde elde edilen sonuç çok belirgindir. KarĢılaĢtırmada esas alınan ikilemeler, anlam ve yapı bakımından tam, kısmi eĢdeğer, eĢdeğer olmayan ve sadece anlam bakımından benzer olarak dört baĢlıkta ele alınmıĢtır. ÇalıĢma sonucunda elde edilen verilere göre tam eĢdeğer çevrilebilen ikilemeler az sayıdadır. Aynı zamanda sadece anlam bakımından çevrilen ikilemeler ve kısmi eĢdeğerlikte olan ikilemeler de çok azdır. Almanca
karĢılığı olmadığı için eĢdeğeri olmayan ikilemeler çoğunluktadır. Bu sonuçlara göre ortaya çıkan Ģudur; çevirmen, özgün metindeki yapısal özelliklerin hakkını kısmen verebilmektedir. Hendrik Boeschoten çeviriyi, Almanca okuyanlar için net ve anlaĢılır hale getirdiği gibi, tarihi, coğrafi ve kültürel unsurlara eĢdeğerler bulmuĢ aynı zamanda Dede Korkut Kitabının olay örgüsünü de eksiksiz olarak okuyucuya aktarmıĢtır. Çeviri yapılan diller ve kültürler arasındaki mesafeden dolayı ikilemelerin yapısal bakımından tam eĢdeğerliğini yakalamak çok güç bir uğraĢtır.
T. C.
SELÇUK ÜNİVERSİTESİ Sosyal Bilimler Enstitüsü Müdürlüğü
Öğr
encin
in
Adı Soyadı Neşe Özlem Uncu Numarası 154206001001 Ana Bilim / Bilim
Dalı Alman Dili ve Edebiyatı / Alman Dili ve Edebiyatı Programı Tezli Yüksek Lisans Doktora
Tez Danışmanı Prof. Dr. Zeki Uslu
Tezin İngilizce Adı BINOMIAL PAIRS IN THE BOOK OF DEDE KORKUT AND THEIR TRANSLATION IN GERMAN
ABSTRACT
In the context of contrastive linguistics, this article focuses on binomial pairs and their translation into German. For this concern, the Turkish heroic stories Dede Korkut and their translation of Hendrik Boeschoten into German were used. The study of the binomial pairs and their translation was done in terms of contrastive phraseology. Also called doublings, they serve mainly to increase and clarify, so they reinforce the used expression. Binomial pairs are very specific linguistic phenomena and have mostly cultural, geographic or historical background. These characteristics of the binomial pairs do not make it easy for the translator. Out of the contrastive phraseological background, doublings identified in the source text are to be classified in terms of equivalence levels and elaborated from a pragmatic point of view. The possibilities of translating binomial pairs into German were accordingly examined and explained in this paper.
The result of the analysis is a clear one. There are few fully, partially and purely semantically equivalent translations of the binomial pairs. Zero equivalent translations predominate in the classification. So the translator can only partially meet the formal function of the literary text. Especially, he meets the content-related function of heroes' narratives, in which he finds lyrical equivalents for historical, cultural and geographical expressions, just as he makes the plot clear and understandable for the German-speaking recipient. The holistic transfer of aesthetic function is difficult because of the distance between languages and cultures.
T. C.
SELÇUK ÜNİVERSİTESİ Sosyal Bilimler Enstitüsü Müdürlüğü
Öğr
encin
in
Adı Soyadı Neşe Özlem Uncu Numarası 154206001001 Ana Bilim / Bilim
Dalı Alman Dili ve Edebiyatı / Alman Dili ve Edebiyatı Programı Tezli Yüksek Lisans Doktora
Tez Danışmanı Prof. Dr. Zeki Uslu
Tezin Adı ZWILLINGSFORMELN IM BUCH DES DEDE KORKUT UND IHRE ÜBERSETZUNGEN IM DEUTSCHEN
ZUSAMMENFASSUNG
Im Rahmen der kontrastiven Linguistik werden in dieser Arbeit Zwillingsformeln und deren Übersetzung ins Deutsche in den Fokus genommen. Für dieses Anliegen wurden die türkischen Heldenerzählungen Dede Korkut und deren Übersetzung von Hendrik Boeschoten ins Deutsche herangezogen. Die Untersuchung der Zwillingsformeln und deren Translation wurden im Hinblick der kontrastiven Phraseologie gemacht. Auch Paarformeln genannt, dienen sie hauptsächlich der Steigerung und Präzisierung, sie verstärken also den gebrauchten Ausdruck. Zwillingsformeln sind sehr spezifische sprachliche Erscheinungen und haben meistens kulturellen, geographischen oder historischen Hintergrund. Diese Eigenschaften der Zwillingsformeln machen es der Translation bzw. dem Übersetzer nicht leicht. Aus dem kontrastiv-phraseologischen Hintergrund heraus, sollen die im Ausgangstext festgestellten Zwillingsformeln hinsichtlich der Äquivalenzstufen
klassifiziert und aus pragmatischer Sicht erarbeitet werden. Die Möglichkeiten der Übersetzung von Zwillingsformeln ins Deutsche wurden dementsprechend in dieser Arbeit untersucht und dargelegt.
Das Ergebnis der Analyse ist ein eindeutiges. Voll-äquivalente Übersetzungen der ZF sind deutlich in der Unterzahl. Auch rein-semantisch-äquivalente Übersetzungen und partielle Äquivalente wurden nur wenig festgestellt. Vor allem null-äquivalente Übersetzungen überwiegen in der Klassifizierung. Daraus resultiert, dass der Übersetzer der formbetonten Funktion des literarischen Textes nur teilweise gerecht werdenkann. Er wird jedoch insbesondere der inhaltlichen Funktion der Heldenerzählungen gerecht, in dem er textgetreue Entsprechungen findet die Historie, Kultur, Handlung so wie Geographie anschaulich und verständlich für den deutschsprachigen Rezipient machen. Das ganzheitliche Übertragen der ästhetischen Funktion halber gestaltet sich durch die Distanz der Sprachen und Kulturen schwierig.
VORWORT
Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen meines Magisterstudiums am Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Selçuk in Konya/Türkei und wurde im Sommersemester 2018-2019 von dem Institut für Sozialwissenschaften als Magisterarbeit angenommen.
Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, mich bei all denjenigen zu bedanken, die mich während der Anfertigung dieser Masterarbeit unterstützt und motiviert haben.
Mein tiefer Dank gebührt in erster Linie meinem Betreuer Herrn Professor Dr. Zeki Uslu. Seine inhaltliche und fachliche Größe haben mir durch die gesamte Zeit meines Masters Mut und schöpferische Kraft verliehen. Bei der Themenwahl, sowie in der Schreibphase hat er mich stets mit seiner positiven und ermutigenden Art unterstützt und mich mit hilfreichen Ratschlägen begleitet. Durchweg war er präsent für mich und hat stets meine Zweifel beiseite geräumt. Dank ihm ist mir nach der Unterbrechung durch die Geburt meiner Tochter der Einstieg in die Schreibphase leichter gefallen. Kritisches Hinterfragen und konstruktive Kritik haben letztendlich zur Fertigstellung der MA geführt. Vielen herzlichen Dank für Ihre Mühen und für Ihre kostbare Zeit.
Ausdrücklich möchte ich mich hier auch bei meinem Mann Cem Uncu vor allem für seinen Beistand und seine Geduld bedanken. Er hat es mir ermöglicht, viel Gebrauch von seiner hart erarbeiteten Erfahrung machen zu können. Auch bei Fragen mit geschichtlichem Hintergrund hat er mir Rat und Tat zur Seite gestanden. Stets hat er mich ermutigt und motiviert der MA gerecht zu werden. Die fürsorgliche Liebe und Zuwendung, die er für unsere Tochter Gökçe Uncu aufbringt und insbesondere in meiner Schreibphase aufgebracht hat, ist für mich von unmessbarem Wert.
Meinen Schwiegereltern, die sich während meinem Schreibprozess liebe- und verantwortungsvoll um meine Tochter gekümmert haben, bin ich ebenfalls einen herzlichen Danke schuldig.
Simone Altınoluk-Hambüchen möchte ich auch an dieser Stelle für ihr stets für offenes Ohr und regen Austausch, vor allem aber für ihre treue Freundschaft danken. Abschließend bin ich meiner Familie, insbesondere meiner Mama und Schwester bin zu tiefem Dank verpflichtet. In meinem bisherigen Leben, sowie in meiner Schullaufbahn haben sie mich in jeglicher Hinsicht unterstützt, Mut gemacht und mir beigestanden. Ohne sie hätte ich schon einige Male aufgegeben. Ich wäre nicht an dem Punkt an dem ich heute bin.
INHALTSVERZEICHNIS ÖZET ... iv ABSTRACT ... vi ZUSAMMENFASSUNG ... viii VORWORT ... x INHALTSVERZEICHNIS ... xii ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS ... xiv EINLEITUNG ... 1 1. PHRASEOLOGIE/PHRASEOLOGISMEN ... 6 2. ZWILLINGSFORMELN ... 11
2.1. Bildung von Zwillingsformeln ... 11
2.2. Eigenschaften von Zwillingsformeln ... 12
2.3. Zweck von Zwillingsformeln ... 13
2.4. Arten der Zwillingsformeln ... 14
3. ZWILLINGSFORMELN IM TÜRKISCHEN ... 15
4. LITERARISCHE ÜBERSETZUNGSKRITIK ... 22
4.1. Übersetzung: Gegenstandsbestimmung ... 22
4.2. Der Äquivalenzbegriff ... 23
4.3. Übersetzungsrelevante Texttypologien ... 25
5. ÜBERSETZUNGSANSÄTZE FÜR LITERARISCHE TEXTE ... 28
5.1. Levys Ansatz ... 28
5.2. Kloepfers Ansatz ... 29
5.3. Apels Ansatz ... 30
5.4. Kollers Ansatz ... 32
5.5. Reiss und Vermeer Skopostheorie ... 34
5.5.1. Äquivalenz und Adäquatheit ... 35
6. KONTROSTATIVE PHRASEOLOGIE ... 36
6.1. Vollständige Äquivalenz ... 37
6.2. Partielle Äquivalenz ... 38
6.3. Rein semantische Äquivalenz ... 39
7. DIE AUSWAHL DER ZWILLINGSFORMELN ... 40
8. ANALYSE ... 41
8.1. Textbestimmung des Buches Dede Korkut ... 41
8.2. Äquivalenzstufen ... 42
8.2.1. Volläquivalenz ... 42
8.2.2. Partielle Äquivalenz ... 46
8.2.3. Rein semantische Äquivalenz ... 47
8.2.4. Nulläquivalenz ... 48
9. SCHLUSSFOLGERUNG ... 75
10. QUELLENVERZEICHNIS ... 79
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS bzw. = beziehungsweise bzgl = bezüglich d.h. = das heißt dt. = deutsch DK = Dede Korkut
DKK = Dede Korkut Kitabı
etc. = Et cetera (und die übringen Dinge)
etw. = etwas i.d.R. = in der Regel jmdm. = jemandem jmdn. = jemanden
Nr. = Nummer
tr. = türkisch
usw. = und so weiter u.a. = unter anderem u.ä. = und ähnliche vgl. = vergleiche Wdh. = Wiederholung z.B. = zum Beispiel zit. = zitiert
EINLEITUNG
Das Bedürfnis des Menschen sich auszudrücken kann wohl zu dessen elementarsten Streben gezählt werden. Dieser Anspruch führte zu diversen Besonderheiten in den Sprachen. Zu Zwillingsformeln, Redensarten bzw. rhetorischen Stilfiguren und zu mehr. Möchte man also einen bestimmten Sachverhalt ausdrücken, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Man verwendet adäquate Begriffe: Wörter, Ausdrücke und Redewendungen. Ist man gewillt, einem bestimmten Sachverhalt Nachdruck zu verleihen, so verstärkt man den Ausdruck. Dafür gibt es eine Reihe von Techniken: man kann das Wort wiederholen Sohn, Sohn, den Komparativ besser oder den Superlativ am besten nutzen, oder man koppelt das Wort mit einem bedeutungsgleichen Wort Angst und Bange, mit einem bedeutungsähnlichen in Amt und Würde, oder mit einem gegensätzlichen Begriff Leid und Liebe. Im Vordergrund steht also nicht mehr das Wort an sich, sondern die Bedeutung des gesamten Ausdruckes.
'Mit der Lehre von festen Wortverbindungen' (Palm, 1997:1) befasst sich das Teilgebiet der Linguistik, die Phraseologie. Forschungsgegenstand der Phraseologie sind die Phraseologismen, die in Abgrenzung zu den freien Wortverbindungen auch feste bzw. phraseologische Wortverbindungen genannt werden (vgl. Burger, 2003: 12).
Merkmale wie Idiomatizität, Stabilität, Polylexikalität oder Reproduzierbarkeit charakterisieren Phraseme. Sie besagen, dass Wörter verwendet werden, ohne, dass sie im direkten Zusammenhang mit der Bedeutung stehen, Fest in ihrer Form sind, aus mehreren Wörtern bestehen oder als Einheit reproduziert werden und im Sprachakt nicht neu gebildet werden.
Eine spezielle Klasse neben Alliteration, Metapher, geflügelten Wörtern etc. bilden die Zwillingsformeln. Denen ist in dieser Arbeit das Augenmerk gewidmet. Diese phraseologische Einheit dient insbesondere der Steigerung und Präzisierung. ''Wie der Name nahe legt […] um sprachliche Zwillinge, also eine stilistisch-syntaktische Erscheinung, die aus zwei Teilen – d.h. Wörtern – gleicher grammatischer Kategorie
besteht.― (Häuser, 2004:35). Es ist erstaunlich, wie oft man im Alltag, sowie in Literatur oder Werbung mit ihr konfrontiert ist.
Im Türkischen haben Zwillingsformeln einen ganz besonderen Stellenwert. Selbst erste schriftliche Fragmente der türkischen Sprache, die Orchon Runen, weisen Zwillingsformeln auf. Die Signifikanz reicht bis in die Gegenwartssprache und zeigt sich in Form von zahlreicher Verwendung. Wichtige Sprachforscher gehen soweit zu behaupten, dass Zwillingsformeln zu den wichtigsten Grundbausteinen der türkischen Sprache gehören (Hatiboğlu, 1998:9). Im Vergleich zum Deutschen bestehen jedoch einige Unterschiede. Im Türkischen werden die Zwillingsformeln nicht mit dem Zusatz 'und' gebildet Kind 'und' Kegel/ Çoluk Çocuk. Auch Präpositionen werden nicht annähernd so häufig wie im Deutschen verwendet. Ähnlichkeiten im An- soy sop und Auslaut değiş tokuş sind indes häufiger anzutreffen.
Die Vorstellung, dass die Übersetzung von solchen spezifisch sprachlichen Einheiten schwierig ist, liegt nicht weit. Und in Anbetracht der Rolle eines Übersetzers als Vermittlerposition zwischen zwei Kulturen, im Zeitalter der Globalisierung, wird die Gewichtung besonders deutlich. Damit zeigt sich auch ein wachsender Bedarf an Verständnis füreinander, ausgelöst durch die Verflechtung der Länder und Kulturen. Besondere literarische Werke, die Meilensteine einer Kultur bilden, sind für das tiefere Verständnis unumgänglich. Das Buch des Dede Korkut ist ein solcher Meilenstein, nicht nur für die Türkei, sondern für alle Turksprachen-Länder. Das Werk trägt Jahrhunderte alte Kultur und Werte in sich und ist ein regelrechtes Bindeglied für die turksprachigen Länder. Der bedeutende Turkologe Fuat Köprülü geht in seinen Seminaren sogar soweit zu behaupten, dass das Werk Dede Korkut auf der Wagschaale schwerer wiegt als die ganze restliche türkische Literatur. Dass sich diese Aussage auf die inhaltliche Bewertung hinsichtlich der kulturellen und historischen Elemente der Turkvölker bezieht, soll an dieser Stelle ergänzt werden.
Auch der zwischenstaatliche UNESCO- Ausschuss wertet das Werk sehr hoch und hat aufgrund dessen entschieden, das wichtige Erbe in die weltweite UNESCO Liste aufzunehmen.
Die Annahme, dass ein solches bedeutendes Werk für die türkische Sprache, zahlreiche Zwillingsformeln enthält, liegt auf Grund der Bedeutsamkeit der Zwillingsformeln im Türkischen, nahe. Nun stellt sich die Frage: Wie wird mit der Übersetzung von phraseologischen Einheiten ins Deutsche umgegangen? In wie fern sind diese äquivalent im Deutschen realisierbar? Diese Fragen bilden den roten Leitfaden des Analyse Abschnittes dieser Arbeit. Zu diesem Zweck wird als Ausgangtext das Original der Erzählungen 'Dede Korkut Kitabı', abgefasst von Muharrem Ergin, publiziert im Jahre 1989 herangezogen. Da diese Arbeit den Schwerpunkt auf den interlingualen Aspekt legt, wurde zusätzlich zu dem im alt Türkisch verfassten Original Werk, die intralinguale Übersetzung wieder von Muharrem Ergin aus dem Jahre 2003 hinzugezogen. Dieses Werk, verfasst in türkischer Gegenwartssprache, dient dem allgemeinen Verständnis der ZF und lässt somit den Fokus dieser Arbeit nicht abschweifen. Die aktuellste deutsche Übersetzung stammt von Hendrik Boeschoten und wurde im Jahre 2008 publiziert. Diese Ausgabe soll dieser Arbeit als primäre Quelle dienen.
Leider beschränkt sich die Bewertung der Übersetzungsleistung, abgesehen von manchen wissenschaftlichen Arbeiten in denen literarische Übersetzungen übersetzungskritisch untersucht werden, meist auf namentliche Nennung des Übersetzers, oder auf allgemeine Pauschalurteile. Um eine vernünftige übersetzungskritische Bewertung anzufertigen und den leider weit verbreiteten Pauschalurteilen aus dem Weg zu gehen, gibt es bestimmte Ansätze und Theorien, die behilflich sein können. Für das genauere Verständnis sind diese ausführlich im theoretischen Teil dieser Arbeit aufgeführt. Diese sollen bei der Untersuchung der Übersetzung der Zwillingsformeln beachtet werden. Die Textbestimmung des Werkes, die zu den kurz angerissenen Theorien gehört, ist entscheidend für die analytische Bearbeitung der Translation der Zwillingsformeln. Die formbetonte Funktion des Werkes scheint als dominante kommunikative Funktion primär gerechtfertigt, da die ästhetische Wirkung vor allem durch die prosaisch abgefassten
Abschnitte, unumstritten sind. Die inhaltliche Bedeutung hinsichtlich der Historie und Kultur der Turkvölker ist jedoch auch nicht außer Betracht zu lassen. Beide Entscheidungen sind mitunter Angelpunkt in der kritischen Untersuchung.
Will man nun in der Analyse die Zwillingsformeln bearbeiten, steht man der kontrastiven Phraseologie gegenüber. In diesem Zusammenhang bietet zunächst Regina Hessky, 1987 eine Erläuterung, welche von Helgunde Henschel, 1993 weiter ausgearbeitet wird. Diese Theorien machen es möglich, phraseologischen Einheiten in diesem Fall Zwillingsformeln, gegenüber zu stellen und zu vergleichen.
Als erstes wurden dafür alle Zwillingsformeln im Ausgangstext bestimmt und aufgelistet. Für das Verständnis wurde die entsprechende Textstelle aus Ergins Werk aufgeführt, um anschließend die Translation der entsprechenden Textstelle im Deutschen zu betrachten. Zum Zweck der Gegenüberstellung wurde bei jedem aufgeführten Beispiel zunächst die ausgangstextliche Textstelle, anschließend die intralinguale Übersetzung ins neu türkische und schließlich die deutsche Übersetzung untereinander und in dieser Reihenfolge aufgeführt. Die angeführten Textstellen aus dem Original Werk wurden in Klammern wie folgt aufgeführt. Bsp.: 'Gelimli gidimli dünya'. (DKK – D34-13) Dede Korkut Kitabı - Dresdener Ausgabe, Paragraf 34, Zeile 13.
Sprachforscher stellen Kategorien für die Entsprechungen heraus, nach denen eine objektive Bewertung stattfinden kann. Die erste Kategorie, die Voll-Äquivalenz, meint wie der Name schon mutmaßen lässt eine vollständige Entsprechung. Teil-Äquivalenz hingegen bedeutet eine stellenweise übereinstimmende Übersetzung, wohingegen die rein semantische Äquivalenz eine ausschließlich auf der Bedeutungsebene beruhende Entsprechung bewertet. Ist die gegenüber gestellte phraseologische Einheit keine Entsprechung, handelt es sich um Null-Äquivalenz. Die genannten Äquivalenzstufen bilden den Hauptleitfaden in der kritischen Bewertung der übersetzten Zwillingsformeln. Die aufgelisteten Beispiele wurden im Analyse-Abschnitt den Äquivalenzstufen untergeordnet. Jedes Beispiel wurde anschließend bezüglich der Einordnung in bestimmte Äquivalenzstufen begründend bewertet und erläutert.
Im deutsch-türkischen Sprachenpaar gibt es einige Studien, die Zwillingsformeln aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. AktaĢ hat beispielsweise im Jahre 1996 Zwillingsformeln im Türkischen und Deutschen hinsichtlich ihrer Bildung und Bedeutung untersucht. Davon ausgegangen hat er die Funktion und Nutzung deutscher Zwillingsformeln genauer untersucht. Auf die Unterschiede in der Bildung der Zwillingsformeln im Deutschen wie im Türkischen ist Yücel 2016 eingegangen und hat im Vergleich hervorheben können, dass in der Bildung im Deutschen vor allem Gebrauch von Konjunktionen und Präpositionen gemacht wird (2016:574). Serindağ hat die Bedeutung der Zwillingsformeln für Lerner der deutschen Sprache als Fremdsprache herauskristallisiert (2018:3495). Gemeinsam sind diesen Arbeiten vor allem der kontrastive Vergleich bzgl. der Bildung.
Gegenstand dieser Arbeit ist die Übersetzung der Zwillingsformeln im literarischen Werk Dede Korkut ins Deutsche. Die Findung und der Umgang mit Äquivalenzen ist vordergründig untersucht worden. Die Fallbeispiele wurden ebenso aus pragmatischer Sicht behandelt.
Übersetzungskritik ist nicht Ziel dieser Arbeit. Vielmehr geht es um die Feststellung der Zwillingsformeln im Original und um die Möglichkeiten der Übertragbarkeit ins Deutsche.
1. PHRASEOLOGIE/PHRASEOLOGISMEN
„Phraseologie ist die Wissenschaft oder Lehre von den festen Wortverbindungen einer Sprache, die in System und Satz Funktion und Bedeutung einzelner Wörter (Lexeme) übernehmen können― (Palm, 1995: 1). Inhaltlich beschäftigt sie sich also mit allen Formen mehr oder weniger festen Wortverbindungen. Diese phraseologischen Einheiten bezeichnet man als Phrasem. Lüger versteht unter einem Phrasem eine 'sprachliche Ausdruckseinheit aus wenigstens zwei Wörtern...' Die Gesamtbedeutung solcher Wortverbindungen kann jedoch nicht mit der Summe von den Bedeutungen der einzelnen Bestandteilen gleich gesetzt werden (Lüger, 1999:6).
Das folgende Beispiel soll diese Behauptung genauer erläutern. 1. Kalter Kaffee gefällt mir nicht.
2. Was heute interessant ist, ist morgen schon kalter Kaffee.
Während im ersten Beispiel die Rede von dem Getränk Kaffee ist, welcher im allgemeinen frisch aufgebrüht und heiß verzehrt wird, bezieht sich das zweite Beispiel nicht auf das Getränk. Im 2. Fallbeispiel handelt es sich um etwas altbekanntes, abgestandenes und deshalb völlig uninteressantes.
Phraseme müssen dementsprechend als ganzheitliche Einheiten des Wortschatzes, als Lexeme betrachtet werden. Phraseme sind keine einfachen, sondern komplexe Konstruktionen, deren Definition sich als schwierig erweist. Die Dynamik, Variabilität und Flexibilität machen daher eine empirisch unterlegte Definition schwierig.
Als wesentliche Charakteristika gelten vier Kriterien: Idiomatizität
Stabilität bzw. Festigkeit
Polylexikalität bzw. Mehrgliedrigkeit Reproduzierbarkeit
Das Merkmal Idiomatizität besagt, dass bestimmte Wörter verwendet werden, ohne, dass sie im direkten Zusammenhang mit der Bedeutung stehen müssen. Fleischer (1982:36) sagt 'die idiomatische Bedeutung wird durch ein Bild vermittelt, das allerdings keine zwingende Motivation herstellt.―
Beispiel: jmd. den Kopf waschen.
Die weiterhin als begriffsbestimmende Phrasem-Eigenschaft bezeichnete Stabilität besagt, dass Phraseme in ihrer formalen Struktur und folgerichtig in ihrer Bedeutung fest, stabil sind. Das heißt es ist nicht möglich sie beliebig zu modifizieren ohne ihre Bedeutung zu ändern. Bekanntheit und Gebräuchlichkeit sind die Grundvoraussetzungen für die Stabilität eines Phraseologismus.
Beispiel: jmd. beißt ins Gras; aber nicht: jmd. beißt in den Baum
Das Merkmal Polylexikalität meint die Tatsache das Phraseme aus mehreren (poly, griech. -viel/viele) Wörtern (Lexis, griech.-Wort) bestehen. Phraseologischen Einheiten eines Wortschatzes zeichnen sich durch eine minimale und eine maximale Phrasem-Struktur aus.
a) Phraseme mit Minmalstruktur sind Verbindungen von zwei Wörtern, von denen mindestens ein Wort autosemantisch sein muss. Bsp.: 'im Nu'. Fleischernennt dieses autosemantische Wort 'Basiselement' (1982:83).
b) Phraseme mit Maximalstruktur sind Verbindungen von Wörtern, die eine Satzstruktur darstellen.
Beispiel: 'Übung macht den Meister'
Reproduzierbarkeit meint die Festigkeit der Phraseologismen im Sprachsystem. In der sprachlichen Handlung werden sie nicht neu gebildet, sondern als ganze Einheiten reproduziert.
Im Prinzip bedient sich Burger genau dieser Merkmale, wenn er einen Phraseologismus folgendermaßen definiert: „Alle diese Ausdrücke haben zweierlei gemeinsam: Erstens bestehen sie aus mehr als einem Wort, zweitens sind die Wörter
nicht für dieses eine Mal zusammengestellt, sondern es handelt sich um Kombination von Wörtern, die uns als Deutschsprechende genau in dieser Kombination (eventuell mit Varianten) bekannt sind, ähnlich wie wir die deutschen Wörter als einzelne kennen. Ausdrücke mit diesen beiden Eigenschaften nennen wir Phraseologismen." (Burger, 2007:45).
Nach der Zeichenfunktion, die Phraseologismen in der Kommunikation haben können sie nach Burger in Basisklassifikationen eingeteilt werden.
I. Referentielle Phraseologismen: Sie beziehen sich auf Objekte, Vorgänge oder Sachverhalte der Realität. Z.B. schwarzes Brett, jemanden über Ohrs hauen, Morgenstund hat Gold im Mund.
a) Nominative Phraseologismen: Sie befinden sich unter der Satzgrenze und haben eine benennende Funktion, indem sie Objekte und Vorgänge bezeichnen. Z.B. gang und gäbe sein, Kohldampf schieben
Nach dem graduell abgestuften Merkmal der Idiomatizität (Erklärbarkeit der Bedeutung ohne historisches Wissen) lassen sich wiederum drei Untergruppen der Nominativen Phraseologismen einteilen, nämlich
die nicht idiomatischen Kollokationen (Redewendungen, die ohne historisches Wissen erklärbar sind),
die Teilidiome und
die (vollidiomatischen) Idiome, Kollokationen, also Redewendungen, die ohne historisches Wissen nicht mehr erklärbar sind (z. B. jemandem einen Bärendienst erweisen).
b) Präpositionale satz- oder textwertige Phraseologismen: Sie stellen ganze Sätze bzw. Texte dar und stellen (eine) Aussage(n) über
Objekte und Vorgänge dar, z. B. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm oder Kleintexte, die in dieser Form memorisiert werden und zum Besitz einer Sprachgemeinschaft gehören, z. B. Gebete, oder formelhafte Texte, z. B. Danksagungen, Todesanzeigen, Glückwunschtexte, juristische Texte.
II. Strukturelle Phraseologismen: Strukturelle Phraseologismen sind Funktionswörter, die innerhalb einer Sprache grammatische Relationen
herstellen. Beispiele sind entweder … oder, in Bezug auf oder nicht nur … sondern auch
III. Kommunikative Phraseologismen: Kommunikative Phraseologismen sind feste Fügungen, die in sich wiederholenden Handlungen (Routinen) meist unbewusst verwendet werden.
IV. Spezielle Klassen der Phraseologismen
Geflügeltes Wort: Die Sprache ist das Haus des Seins (Martin Heidegger) Zwillingsformeln: Hab und Gut
Phrasenschablone: Es ist zum … (Verrücktwerden, Aus-der-Haut-Fahren, Mäusemelken)
Somatismus, (Phraseologismus mit Bezeichnung von Körperteilen, -organen, -flüssigkeiten). jdm. unter die Arme greifen, das Herz auf der Zunge tragen Symbolhafte Kalenderdaten, zum Beispiel 11. September für die
Geschehnisse am 11. September 2001 in New York oder September 1939 für den Beginn des Zweiten Weltkriegs (Burger, 1998).
Wortkombinationen, die aus mindestens zwei Komponenten bestehen und in einem gewissen Rahmen als Einheit verstanden werden nennt man im weiteren Sinne Phraseologieal Sie sind Wort- oder Silbenpaare, die in Redenwendungen, Redensarten, Sprichwörtern und Zitaten vorkommen (Müller, 2005:5). Es handelt sich also um zwei Ausdrücke die nebeneinander meist durch Konjunktionen oder Präpositionen verbunden sind und nicht im einzeln in ihrer Bedeutung wahrgenommen werden, sondern im übertragenen Sinne in ihrer Gesamtheit zu deuten sind. Sie dienen der Erweiterung des Wortschatzes und präzisieren einen Ausdruck oder verleihen ihm Ausdrucksstärke. Durch das Ähneln der Bestandteile "wie Zwillinge'' und "wegen ihres phrasen- und formelhaften Charakters" werden sie Zwillingsformel genannt (Donalies, 2009:70). Desweiteren werden sie auch Paarformeln Binomiale oder Hendiadyoine genannt.
Bei Zwillingsformeln sowie Phraseologismen handelt es sich um Stilmittel, die dazu dienen bestimmte Aussagen zu betonen, unterstreichen oder zu veranschaulichen. Viele dieser Phraseologismen gehen auf Jahrhunderte alte mündliche
Überlieferungen zurück und sind sprachliche Relikte einer vergangenen Zeit, derer sich die Menschen auch heute noch bedienen ohne sich der etymologischen Herkunft einzelner Wörter bewusst zu sein.
2. ZWILLINGSFORMELN
Nachdem im vorherigen Abschnitt ein Abriss über die Phraseologie gegeben wurde und die Zwillingsformel klassifiziert wurde, soll nun detaillierter auf die Zwillingsformel/Paarformel (Busse,2002: 409)1 eingegangen werden. Im engeren Sinne ist sie eine Stilfigur in der Rhetorik und Linguistik, bei der ein Begriff zur Ausdruckssteigerung (Verstärkung, Häufung, Summierung, Betonung, Emphase) bzw. Präzisierung durch zwei nebeneinander gestellte (gleiche oder gleichrangige) Wörter mit – jedenfalls in den meisten Fällen – derselben Bedeutungskategorie wiedergegeben wird.― (Müller, 2005:11)
Zwillingsformeln werden auch Binomiale (englisch: binomial pairs), Paarformeln oder Hendiadyoine genannt. Zwei Ausdrücke stehen nebeneinander und sind durch eine Präposition oder Konjunktion miteinander verbunden, wobei jede Komponente nicht in ihrer wörtlichen Bedeutung, sondern der Ausdruck in seiner Gesamtheit in einer übertragenen Bedeutung wahrgenommen wird.
2.1. Bildung von Zwillingsformeln
Es kommen verschiedene Arten der Doppelung vor (Müller, 2005:12).
Einfache Doppelung: „Arm in Arm―, „nach und nach―, „von Fall zu Fall― Endreimdoppelung: „Schickimicki―, „Techtelmechtel―, (außer) „Rand und
Band―
Ablautalternation: „Hickhack―, „Pingpong―, „schnippschnapp―
Stabreimdoppelung: (über) „Stock und Stein―, (auf) „Biegen und Brechen―, (mit)
„Glanz und Gloria―
Assonanzen (ähnliche Vokale werden an derselben Stelle betont). „angst und bange―, „Hinz und Kunz―, „gehüpft wie gesprungen―
Gekennzeichnet ist eine Zwillingsformel also durch das gemeinsame Auftreten zweier oder mehrerer Worte, die im Deutschen meist durch 'und' verbunden sind. Ein Beispiel dazu wäre die Zwillingsformel 'Kind und Kegel'. Andere Formen treten jedoch auch auf, wie z.B. 'von Kopf bis Fuß'. Binderwörter, Präpositionen oder Vergleichsartikel können jedoch auch ganz ausfallen, wie im Fall 'jahrein jahraus'. Meistens werden sie jedoch mit Hilfe von Präpositionen gebildet. Sie stehen in der Regel vor dem Ausdruck: mit „Mann und Maus― und nicht „mit Mann und mit Maus― oder durch „dick und dünn―. Zu dieser Regel gibt es aber auch Ausnahmen, wie z.B. (weder) „zu essen noch zu trinken― haben. Neben den Präpositionen spielen auch Konjunktionen in der Bildung von Zwillingsformeln eine wesentliche Rolle: „auf und ab―, „mehr oder weniger―, „weder Fisch noch Fleisch―, „klein aber oho― Verstärkt werden können Zwillingsformeln z.B. durch Alliterationen 'klipp und klar' oder durch einen Endreim wie 'Saft und Kraft'. Häufig steht die Zwillingsformel in Beziehung zu anderen Stilmitteln wie unter anderem der Antithese (Gegenüberstellung), der Kimax (Steigerung), der Repetitio, der Alliteration, der Tautologie (Wiederholung Wörter mit Sinnähnlichkeit). Eine typische Eigenschaft von Zwillingsformeln ist ihre sogenannte 'Festigkeit', nach der sie selten veränderbar oder austauschbar sind. Müller nennt diese Eigenschaft Irreversibilität und nennt auch die mögliche Ursache dazu: „Irreversibilität hat letztlich denselben (Grund)…: die mentale Abspeicherung zu erleichtern. Es wird diejenige Abfolge gewählt, die von unabhängig geltenden grammatischen Regeln als optimal klassifiziert wird― (Müller, 2009:46).
Die meisten Zwillingsformeln folgen jedoch der 'Pragmatikregel'. „Als wichtiger oder wertvoller Empfundenes steht vor (offenbar oder angeblich) Unwichtigerem oderweniger Wertvollem― (Müller, 2009:87).
2.2. Eigenschaften von Zwillingsformeln
Positives vor Negativem: „Freund und Feind―, „Chancen und Risiken― Wertvolles vor weniger Wertvollem: „Geld wie Heu―
Zeitlich vorangehendes vor folgendem: „alt und jung―, „gestern und heute―, „früher oder später―
Für den Menschen wichtigere Tiere vor unwichtigeren: „Hund und Katz‗―, „Katz und Maus―
Männlichem vor Weiblichem: „Adam und Eva―, „Hänsel und Gretel―, „Bruder und Schwester―
Besonderheiten in der Bildung sind
Die m-Reduplikation: Der Anfangsbuchstabe des gedoppelten Wortes wird durch ein m ersetzt, sodass das Wort gar keine eigentliche Bedeutung mehr hat.
Beispiele: „doppelt gemoppelt―, „Heckmeck―, „Kuddelmuddel―, „Techtelmechtel―…(Müller, 2009: 80ff).
ZF sind falls sie ungleich lange Wörter enthalten nach dem Gesetz der wachsenden Glieder geordnet.
Beispiele: ''nie und nimmer'', ''tun und lassen'' (Röhrich; Mieder, 1977:18)
2.3. Zweck von Zwillingsformeln
Wie bereits erwähnt haben Zwillingsformeln meistens 'die Funktion der Verstärkung, Expressivierung oder sonstige Nuancierung der Bedeutung einer der Komponente' (Busse 2002:3). Auch wenn viele Zwillingsformeln Sprachrelikte aus vergangener Zeit sind, bedient sich die moderne Sprache ihres Nutzens als Hilfsmittel zur Ausdruckssteigerung. Diese Eigenschaft der Paarformel macht sie vor allem beliebt als Stilmittel in Werbetexten (Busse, 1982:38).
Nach Müller haben Zwillingsformeln unterschiedliche Funktionen, die er wie folgt beschreibt (Müller, 2009: 33).
präzisierend, einschränkend: „alt und schwach― ausdruckssteigernd: „lieb und brav―
2.4. Arten der Zwillingsformeln
Substantive: Blut und Wasser, Bus und Bahn, Dach und Fach, Geben und Nehmen, Gift und Galle etc.
Verben/Partizipien: erstunken und erlogen, gesagt getan, sage und schreibe, tun und lassen, vergeben und vergessen
Adjektive: früher oder später, rank und schlank, gut und böse, doppelt und dreifach hieb- und stichfest
3. ZWILLINGSFORMELN IM TÜRKISCHEN
Besonders im Türkischen spielen die Zwillingsformeln eine ganz besondere Rolle und kommen dementsprechend in reichlicher Zahl vor. Sie sind oft das Mittel der Wahl für Verstärkungen (Birol, 2016:145). Trotzdem verhält es sich bei der Literatur dessen leider spärlich (Çoraklı, 2001:55). Meistens werden Zwillingsformeln in Grammatikbüchern unter einer Überschrift mit ein paar Beispielen abgehandelt. Vehice Hatiboğlu geht sogar so weit zu behaupten, dass man die türkische Sprache, ohne Erläuterung der Zwillingsformeln nicht abhandeln könne. Auch behauptet sie, dass Zwillingsformeln zu den Grundbausteinen der türkischen Sprache zählen (Hatiboğlu, 1998:9).
Die erste Studie zur Zwillingsformel im türkischen machte Karl Foy im Jahre 1899. In seinem Werk: ''Studien zur osmanischen Syntax'' versuchte er Zwillingsformeln im Hinblick auf: Vorkommen, Bedeutung, Silbenanzahl, Wortreihung und Kontext zu erarbeiten (Nowka, 1991:177). Es gibt viele einige Wissenschaftler, die versuchen das Phänomen der Zwillingsformel genauer zu beschreiben. So zieht es Muharrem Ergin vor den Begriff der Wiederholung anstatt des Begriffes der Verdopplung zu benutzen. Er behauptet, dass Wiederholungen durch das Aufeinanderfolgen von zwei Wörtern entstehen. Diese sind in ihrer Funktion, Form und Betonung gleich. Ferner kommen sie ohne Suffixe zustande und haben jede für sich ihre eigene Betonung (Ergin, 1993:355).
In seinem Grammatikbuch 'Türkische Grammatik' nimmt Tahsin Banguoğlu Zwillingsformeln in der Kategorie 'Bağlam Öbekleri' (Verbindungsgruppen) auf. Die Wiederholung von zwei identischen Ausdrücken nennt er Zwillingsformeln, die Wiederholung von ungleichen lautlichen Verbindungen nennt er 'koĢma takımları' (laufende Paare) (Banguoğlu 1998:512).
Nurettin Koç berichtet in seinem Buch 'Die neue Grammatik' über Zwillingsformeln, dass es sich um Ausdrücke handelt, die fest zusammengewachsen sind und dementsprechend in ihrer Reihenfolge nicht vertauscht werden können. Wirkungsvoll mache Zwillingsformeln ihre melodische Eigenschaft. Bei dieser
melodischen Eigenschaft handelt es sich um lautliche Ähnlichkeiten wie z.B. Ähnlichkeit im Anlaut (bağlık bahçelik, çekiğ çevirmek, delik deĢik, günlük güneĢlik, toz toprak u.ä.), Ähnlichkeit im Auslaut (anasız babasız, giyim kuĢam, kırık dökük, gidiĢ geliĢ u.ä.), die Ähnlichkeit, dass das Wort mit weniger Silben am Anfang steht (dal budak, diz dize, çekip çevirmek, kör topal u.ä.), die Ähnlichkeit, dass die Worte, die mit einem Vokal anfangen am Anfang stehen (az buz, açık saçık, eğri büğrü, eski püskü, alım satım u. ä.), oder die Ähnlichkeit, dass das türkische Wort immer am Anfang steht (güçlü kuvvetli, sağ salim, eski fazla, birlik beraberlik, kıĢ kıyamet, yüz surat u.ä.) (Koç, 1996:500f).
Hans Marchand hat in seiner 1952 veröffentlichten Arbeit 'Alliteration, Ablaut und Reim in den Türkischen Zwillingsformeln' in Bezug auf Alliteration, Ablaut und Reim untersucht und Zwillingsformeln wie: at araba, zart zurt, ayna mayna und süslü püslü aus psychologischer und semantischer Hinsicht erarbeitet. Er hat behauptet, dass 'Mehr als in anderen Sprachen genießen im Türkischen Doppelungen eine charakteristische Beliebtheit...' (Marchand, 1952:50). Insbesondre treffe dies auf 'volkstümliche Sprachpoesie' zu. Würde man diese systematisch untersuchen könnte man laut ihm noch sehr viel Material zu Tage schaffen (Marchand, 1952: 67). Marchand stellt fest, dass Paarwörter in erster Linie durch ästhetische und emotionale Motive bestimmt werden '...durch die Lust am Gleichklang (des Anlauts = Alliteration, des Auslauts = Reim) oder der lautlichen Modulation (Reim) (Marchand, 1952: 60). Entsprechend klassifiziert er die Zwillingsformen nach den Gestaltungsprinzipien Alliteration, Ablaut und Reim. Lautnachahmungen spielen bei der Bildung eine besondere Rolle (Marchand, 1952: 60ff).
Recherchen zeigen, dass Vehice Hatiboğlu 1981 in ihrem Werk: ''Zwillingsformeln in der türkischen Sprache'' mit am umfangreichsten auf die Zwillingsformeln eingegangen ist. Nach Hatiboğlu sind sie dazu da, um die Ausdruckskraft zu verstärken, Bedeutung zu unterstreichen und zu bereichern. Man kann sogar davon sprechen, dass Zwillingsformeln eine der grundlegendsten Eigenschaften des Türkischen sind (Hatiboğlu 1981:9). Auch Mehmet Hengirmen geht in seinem Buch der türkischen Grammatik soweit zu behaupten, dass Zwillingsformeln 'eine der
bedeutendsten und wichtigsten Eigenheiten des Türkischen' sind (Hengirmen, 1997:403).
Mehmet Ali Ağakays Artikel über Zwillingsformeln: 'Ġkilemeler Üzerine', erschienen im Magazin 'Türk Dili', kann man zusätzlich entnehmen, dass es sich um Ausdrücke handelt, die durch Verdopplung und Wiederholung dazu dienen, die Ausdruckskraft der Sprache zu verstärken (Ağakay, 1953:189). Weitere Eigenschaften der Zwillingsformeln, die er benennt, hat Hatiboğlu umfangreicher dargestellt und mit einbezogen. Außerdem hat sie auch die Recherchen von Hasan Eren (1949: 283-286), Osman Nedim Tuna (1949: 429ff), Kar Foy (1899:105-136) und Marchand (1952:60ff) zur Kenntnis genommen und in ihrer Arbeit berücksichtigt. Deswegen soll im folgenden die Abhandlung der Eigenschaften von Zwillingsformeln nachHatiboğlu aufgeführt werden:
Als erstes ist sie auf die Ähnlichkeit im Anlaut, so wie im Auslaut genauer eingegangen.
Ähnlichkeit im Anlaut:
'bağ bahçe' begütert sein 'bağ' Weinberg, 'bahçe' Garten 'çul çuval' grobes Zeug 'çul' grober Haarstoff, 'çuval' Sack
'döl döĢ' Nachkommenschaft/ Kinder und Enkel 'döl' Samen, 'döĢ' Flanke
'kol kanat' helfen, unter die Arme greifen 'kol' Arm, 'kanat' Flügel
'soy sop' Familienabstammung 'soy' Familie, Stamm, 'sop' Clan Ähnlichkeit im Auslaut
'değiĢ tokuĢ' Tausch(-handel) 'değiĢ' Tausch, 'tokuĢ' Kampf'
'hesap kitap' nach genauer Berechnung/Überlegung 'hesap' 'Rechnung' und 'kitap' 'Buch'
'kırık dökük' nicht ordentlich gemacht, minderwertig 'kırık' zerbrochen, 'dökük' unordentlich herunterhängend
Anschließend hat sie sich die Eigenschaft der Vokalharmonie genauer angeschaut: 'eski püskü' alt, ausgedient, ausrangiert 'eski' alt' und 'püskü' ohne
eigene Bedeutung
'fart furt' albern prahlend 'fart' Übermaß, 'furt' ohne eigene Bedeutung
Desweiteren hat sie die Eigenschaft der Zwillingsformeln, dass nur ein Wort eine Bedeutung hat und bei denen die Reihenfolge der Wörter eine feste Form hat hervorgehoben:
'çoluk çocuk' die ganze Familie 'çoluk'(ohne Bedeutung), 'çocuk' Kind
'tek tük' einzeln, spärlich, selten, nur wenig 'tek' einzeln, 'tük' ohne Bedeutung
Feste Form der Reihenfolge der Wörter
'kıĢ kıyamet'(sehr) strenger Winte 'kıĢ' Winter, 'kıyamet' Auferstehung
Nicht aber: kıyamet kıĢ Nicht alle Zwillingsausdrücke haben eine feste Form; es gibt zahlreiche Ausnahmen, z. B.:
'büyüklü küçüklü' groß und klein, alt und jung 'büyük' groß und 'küçük' klein Neben: 'küçüklü büyüklü' klein und groß, jung und alt.
Erweiterung der festgefügten Form:
'özene bezene' Schmuck, Geschmeide, Flitterkram 'özen' Sorgfalt, 'bezen' Schmuck
'yalvar yakar' in allen Tönen (an-)flehend 'yalvarmak/yakarmak
'inständig bitten; nicht aber: bezene
özene yakar yalvar
Im Bezug auf Verstärkungen bzgl. Zwillingsformeln hat sie folgende Eigenschaften hervorgehoben:
Das erste Wort hat weniger Silben
'kör to-pal' unvollkommen, mehr schlecht 'kör' blind, 'topal' lahm
Das erste Wort beginnt mit einem Vokal
'it köpek' Helfershelfer 'it' Köter, 'köpek' Hund
Das erste Wort ist ein türkisches
'kul kurban (olmak)' ganz ergeben (sein) 'kul' Knecht, Sklave,
Diener (türk.),'kurban' Opfer
(arab.) Das zweite Wort beginnt mit b- oder p-
'eski püskü' alt, ausgedient, ausrangiert 'eski' alt, 'püskü' ohne
eigene Bedeutung
Zwillingswortarten unter dem Gesichtspunkt der Bildung Zwei türkische Wörter
'yorgun argın' todmüde 'yorgun' müde/matt, 'argın'
Ein türkisches und ein Fremdwort
'güçlü kuvvetli' stark und kräftig 'güçlü stark, 'kuvvetli'
kräftig (arab. quwa Kraft)
Zwei Fremdwörter
'haraç mezat' (satmak) Ruf des Auktionators 'haraç 'Versteigerung',
'mezat' Auktion
Zahlwörter
'bir bir' (anlatmak) eins nach dem andern (erzählen) 'bir' eins
Wortverbindungs-Zwillingsausdruck
'büyükler büyüğü' (Atatürk) der Große der Großen 'büyük' groß
Als letztes hat siedie m-Prothese dargestellt:
'ekmek mekmek' (yok mu?) (gibt es kein) Brot oder so? 'ekmek' Brot
Zeynep Korkmaz sagt über Zwillingsformeln, dass es sich um Ausdrücke handelt, die eine gewisse lautliche Verbindung zueinander haben, in Form und Bedeutung zu einander in Verbindung stehen, Synonyme oder Antonyme sein können, letztendlich jedoch zwei Ausdrücke sind, die als eins betrachtet werden müssen (Korkmaz, 1992:82). Ähnlich wie Hatiboğlu, bezieht sich in ihrer Untersuchung der Zwillingsformeln vor allem auf die Bedeutung der bei der Bildung der Zwillingsformeln vorkommenden Wörter.
Zum Verständnis der Zwillingsformel im türkischen, trägt diese Untersuchung auch erheblich bei, weswegen sie im folgenden dargestellt wird. Verstärkung benutzt werden sind hauptsächlich folgende:
1. Wiederholung des gleichen Wortes: birer birer (eins zu eins), teker teker (eins nach dem anderem), mıĢıl mıĢıl (friedlich z.B. friedlich schlafend), dinleye dinleye (aufmerksam horchend), dura dura (anhaltend), bekleye bekleye (abwartend), göre göre (beobachtend) u.ä.
2. Synonyme und Wörter mit ähnlicher Bedeutung: ev bark (Wohnhaus und zugehöriges), belli baĢlı (bestimmte), bitip tükenmek (völlig am Ende sein), delikdeĢik (durchlöchern), doğru dürüst (aufrichtig), köĢe bucak (jede einzelnde Ecke), yalvarıp yakarmak (betteln), düğün dernek Hochzeit und Zusammenkommen), yalan yanlıĢ (völlig gelogen), soy sop (Sitte) u.ä.
3. Gegensätze Oxymoron: bata çıka (auf und ab), düĢe kalka (Höhen und Tiefen), yaza çize (schreibend ausprobierend), doğru yanlıĢ (richtig und falsch), iyi kötü (gut und böse)az çok (wenig viel), üst baĢ (anhaben), analı babalı (beide Elternteile), karı koca (Mann und Frau), yaz kıĢ (Sommer Winter) u.ä..
4. Benuztung des gleichen Wortes mit Änderung des Anlauts: ayak mayak, güzelmüzel, yaka maka, kutlu mutlu, çehiz mehiz, sandık mandık vb.
4. LITERARISCHE ÜBERSETZUNGSKRITIK
4.1. Übersetzung: GegenstandsbestimmungAuch wenn im allgemeinen Sprachgebrauch die Begriffe ‚Übersetzung‗ und ‚übersetzen‗ geklärt und unmissverständlich scheinen, ist es im Zuge einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Übersetzung von Zwillingsformen (Kulturspezifika) notwendig eine klare Begriffsbestimmung vorzunehmen. Um eine Arbeitsgrundlage für spätere Untersuchungen zu schaffen, werfe man einen genaueren Blick auf den Begriff Übersetzung. Es zeigt sich ein wesentlich komplexes Bild welches im Folgenden genauer dargestellt werden soll.
1. Intralinguale Übersetzung oder Umbenennung ist eine Interpretation sprachlicher Zeichen mit Hilfe anderer Zeichen derselben Sprache.
2. Interlinguale Übersetzung oder eigentliche Übersetzung ist eine Interpretation sprachlicher Zeichen mit Hilfe einer anderen Sprache.
3. Intersemiotische Übersetzung oder Transmutation ist eine Interpretation sprachlicher Zeichen mit Hilfe von Zeichen nicht sprachlicher Zeichensysteme. (Jakobson, 1981:190)
Götz Wienolds Verständnis bezüglich des Begriffes der Übersetzung ist im Vergleich ein engeres Verständnis. Er bezieht sich nur auf Jakobsons zweiten Punkt und setzt somit die Übersetzung klar von den weiteren Textverarbeitungsvorgängen ab (Wienold, 1972:153). Diese Sichtweise wird auch der vorliegenden Arbeit zu Grunde gelegt, da sich die Untersuchung auf interlinguale Übersetzung konzentriert. Nach Koller kann Übersetzung als eine Übertragung der Interpretation eines außersprachlichen Sachverhalts, welche auf einzelsprachspezifische Weise erfolgt, d.h. die Interpretation wird durch die strukturellen Gegebenheiten einer Sprache bestimmt (Koller, 2001:91). Der Autor erstellt also einen Ausgangstext, wobei er von seiner eigenen Erfahrungswelt und Vorstellungsmustern ausgehende scenes in sprachliche frames kodiert. Diese werden vom Übersetzer als Leser des Originals rezipiert und lösen entsprechend seiner eigenen Erfahrungswelt scenes aus. Diese können unterschiedlich von einander abweichen. Dies hängt nicht nur mit der
Sprachkompetenz des Übersetzers zusammen, sondern auch mit der Soziokultur der jeweiligen Sprachbenutzer (Vannerem; Snell-Hornby, 1986:189-192). Der Übersetzer muss bei seiner Entscheidung unter Betracht ziehen, dass diese frames niemals isoliert stehen, sondern im Kontext zu betrachten sind. Zusammenfassend kann man sagen, dass Übersetzung durch eine doppelte Bindung gekennzeichnet ist. Erstens die Bindung an den Ausgangstext und zweitens die Bindung an die kommunikativen Bedingungen auf der Seite des Empfängers der Übersetzung (Koller, 2001:191). Man kann dementsprechend zwei Übersetzungsmethoden unterscheiden, die Friedrich Schleiermacher in ‚Über die verschiedenen Methoden des Übersetzens‗ 1813 wie folgt umschreiben hat: ‚Entweder der Übersetzer lässt den Schriftsteller möglichst in Ruhe, und bewegt den Leser ihm entgegen, oder er lässt den Leser möglichst in Ruhe und bewegt den Schriftsteller ihm entgegen‗ (in Störig, 1973:47). Sabrina Wranke schließt daraus, dass der Übersetzungsprozess von einer großen Komplexität gekennzeichnet ist und viele Einflussfaktoren berücksichtig werden müssen (Wranke, 2010:16).
4.2. Der Äquivalenzbegriff
Albrecht sagt bereits 1973, dass die Relation zwischen Original und Übersetzung das ‚Kernstück aller Übersetzungstheorie‗ bildet (Albrecht, 1973:13). Der Äquivalenzbegriff hat sich zur Beschreibung des Verhältnisses zwischen Original und Übersetzung herausgebildet. Jedoch ist der Begriff stark umstritten. So spricht Snell-Hornby von der ‚Illusion der Äquivalenz‗ (Snell-Hornby, 1986:13). Immer wieder werden diesem stark vorbelasteten und unscharfen Begriff unterschiedliche Bedeutungen beigemessen. Die Mehrdeutigkeit des Begriffes ist nicht außer Betracht zu lassen. Somit ist eine feste Begriffsbestimmung bedeutend. Die Begriffsbestimmung soll sich im Folgenden nach Koller richten, da dieser sich besonders ausführlich mit dem Äquivalenzbegriff beschäftigt hat.
Die unterschiedlichen Ausrichtungen der Übersetzungswissenschaft so wie der kontrastiven Linguistik veranlasst Koller dazu den Begriff zunächst abzugrenzen. Die Übersetzungswissenschaft behandelt die Zuordnung von Äußerungen in Texten und befindet sich somit im Bereich der parole. Die kontrastive Linguistik behandelt
formale Ähnlichkeiten der Sprachen und befindet sich somit im Bereich der langue. Den aus dem übersetzungswissenschaftlichen Bereich stammenden Begriff der Äquivalenz beschreibt Koller wie folgt:
‚Mit dem Begriff der Äquivalenz wird postuliert, dass zwischen einem Text (bzw. Textelementen) in einer Sprache (ZS-Text) und einem Text (bzw. Textelementen) in einer Sprache (AS-Text) eine Übersetzungsbeziehung besteht. Der Äquivalenzbegriff sagt dabei noch nichts über die Art der Beziehung aus, diese muss zusätzlich definiert werden. Auch die Forderung an die Übersetzung, die habe äquivalent zu sein, bedarf der inhaltlichen Präzisierung. Es muss angegeben werden, auf welche Qualitäten des AS-Textes sich die normative Aussage bezieht‗ (Koller, 2001:215).
Unterschiedliche Bezugsrahmen sind also wichtig und man kann nicht von einer allgemeinen Äquivalenz eines Textes sprechen. Koller spricht von fünf verschiedenen Äquivalenztypen: 1. Denotative Äquivalenz 2. Konnotative Äquivalenz 3. Textnormative Äquivalenz 4. Pragmatische Äquivalenz 5. Formal-ästhetische Äquivalenz
Die denotative Äquivalenz bezieht sich auf den Bereich der Lexik, wo wiederum fünf Entsprechungstypen unterschieden werden können: Eins-zu-eins, Eins-zu-viele, Viele-zu-eins, Eins-zu-Null und Eins-zu-Teilentsprechungen. Diese Entsprechungen lassen jedoch die konnotativen Werte und somit die stilprägende Wirkung unberücksichtigt. Diese werden erst im zweiten Äquivalenztyp aufgegriffen, wo nicht nur die lexikalische Ebene im Zentrum steht, sondern auch syntaktische Komponenten mit einbezogen werden. Die pragmatische Äquivalenz hängt wiederum mit dem Vorgehen bei Gebrauchstexten zusammen. Bei Gebrauchstexten gibt es konventionalisierte Strukturen und Formulierungen, nach denen sich der Übersetzer in der Zielsprache richten muss. Gegebenenfalls muss er Veränderungen vornehmen, die nicht aus den Unterschieden der Sprache hervorgehen. Der
Übersetzer versucht dabei, den Text durch verschiedene Eingriffe für den zielsprachlichen Leser verständlich zu machen. Es stellt sich dabei immer die Frage, wie stark diese Eingriffe sein dürfen, um noch von einer Übersetzung und nicht von einer Bearbeitung reden zu können. Es gilt schließlich noch den zielsprachlichen Text auf formale und ästhetische Gestaltung analog zum Original nachzubilden. Kategorien wie Reim, Versformen, besondere stilistische Gegebenheiten in Syntax und Lexik, Metaphern, Wortspiele u.ä. zu berücksichtigen. Es wird also deutlich, dass die verschiedenen Äquivalenztypen je nach Texttyp eine unterschiedliche Wichtigkeit haben.
4.3. Übersetzungsrelevante Texttypologien
Prinzipiell zeigt sich in der übersetzungswissenschaftlichen Forschung eine Zweiteilung in literarische Texte und nicht literarische Texte. Verschiedene Arbeiten zeigen, dass sich entweder mit literarischen Texten oder nicht literarischen Texten befasst wird. Koller greift diese Zweiteilung auf, in dem er die beiden Textkategorien‚ fiktive Texte‗ und ‚Sachtexte‗ von einander abgrenzt. Dies erfolgt anhand der Kriterien: soziale Sanktionen/praktische Folgen, Fiktionalität und Ästhetizität/Vieldeutigkeit erfolgt. Dabei weißt er jedoch darauf hin, dass es sich um eine idealtypische Unterscheidung handele, die sich nach verschiedenen Gesichtspunkten noch weiter untergliedern ließe. Dennoch biete sich diese Unterscheidung bei der Übersetzung an, da aufgrund unterschiedlicher Leseerwartungen auch verschiedene Forderungen bezüglich der Übersetzungsäquivalenz gestellt würde (Koller, 2001:272-274).
Albrecht Neubert hingegen schlägt eine Einteilung in vier Übersetzungstypen vor, weiche den bei ihm zentralen pragmatischen Aspekt der Übersetzung berücksichtigen:
1. Ausgangsprachlich und zielsprach gerichtete Texte wie z.B. wissenschaftliche Texte
2. Spezifisch ausgangssprachlich gerichtete Texte wie z.B. Pressetexte 3. Primär ausgangsprachlich gerichtete Texte wie z.B. literarische Texte
4. Primär und ausschließlich zielsprachlich gerichtete Texte wie z.B. Texte für Auslandsprobaganda
Gleichzeitig ordnet Neubert diesen Übersetzungstypen Gradstufen der Übersetzbarkeit zu. Bei Texten vom Typen 1 ist die höchste Stufe der Übersetzbarkeit gegeben gefolgt von den Texten des Typs 4. Auch für den dritten Typ sind Übersetzungen realisierbar, allerdings mit formalen Einschränkungen. Den zweiten Texttyp beschreibt Neubert bezüglich pragmatischer Gesichtspunkte als charakteristisch nicht übersetzbar. (Neubert, 1968:30-32).
Die Textgattung spielt auch für Jumpelt eine entscheidende Rolle bei der Übersetzung. Sie ist ‚der Hauptfaktor, der alle Kriterien bestimmt‗ (Jumpelt, 1961:24). Er stellt sechs verschiedene Übersetzungsgattungen heraus.
1. Ästhetisch/künstlerische Übersetzung (literarische Werke, Theaterstücke, Filme…)
2. Religiöse Übersetzung
3. Pragmatische Übersetzung (Texte der Naturwissenschaft, angewandten Wissenschaften, Sozialwissenschaften sowie spezielle Textarten wie Urkunden, Werbetexte, Pressenachrichten etc.)
4. Ethnografische Übersetzung
5. Sprachwissenschaftliche Übersetzung
6. Geisteswissenschaftliche Übersetzung (Jumpelt, 1961:25)
Die Auswahl an Klassifizierungsvorschlägen zeigt bereits wie unterschiedlich die Herangehensweisen sind. Katharina Reiß bezeichnet diese alle in ihrer Arbeit zur Übersetzungskritik als unzulänglich. Sie begründet dies damit indem sie sagt, dass die Isolierung der einzelnen Typen meist unklar bleibe und die Begründungen für die Differenzierungen entweder gänzlich fehlen, jeweils unterschiedlich motiviert seien oder generell angefochten werden könnten (Reiß, 1971:30). Aus diesem Grund entwickelt Reiß eine eigene übersetzungsrelevante Texttypologie. Im Zuge dessen soll folglich der "texttypologische Ansatz" näher vorgestellt werden. Ausgangspunkt dieser Theorie ist die Differenzierung von Texten nach ihrer dominanten
kommunikativen Funktion. Reiβ unterscheidet drei Kategorien der Übersetzungskritik. Die erste Kategorie bezieht sich auf Texttypen: inhaltsbetonte Texte, bei denen es vor allem um die Bewahrung der informativen Elemente geht; formbetonte Texte, bei denen es um die Bewahrung der Form und die Beibehaltung der ästhetischen Wirkung geht und appellbetonte Texte, bei denen es auf die außersprachlichen Effekte ankommt. Die zweite Kategorie von Reiβ lautet "innersprachlichen Instruktionen". Diese meinen semantische, lexikalische, grammatikalische und stilistische Merkmale des Ausgangtextes (AT) und ihre Äquivalente im Zieltext (ZT) (Reiβ, 1971: 54). Die Textsorte bestimmt in diesem Zusammenhang die Priorität der innersprachlichen Instruktionen. "In Bezug auf diese innersprachlichen Instruktionen untersucht nun der Kritiker bei den semantischen Elementen die Äquivalenz, bei den lexikalischen die Adäquatheit, bei den grammatikalischen die Korrektheit und bei den stilistischen die Korrespondenz‖ (Reiβ, 1971: 68).
Bei der dritten Kategorie handelt es sich schließlich um außersprachliche Elemente. In Bezug darauf hat der Übersetzer auf drei wichtige Aspekte zu achten. Zum einen geht es hierbei um den Sachbezug, dieser beschäftigt sich mit der Situation des geschriebenen. Empathie seitens des Übersetzers ist hier gefragt. Ein weiterer Aspekt ist der Zeitbezug, bei dem der Übersetzter Wissen über die Zeit des geschriebenen Textes und u.a. des Ortes haben muss. Als letztes erwähnt Katharina Reiβ den Empfängerbezug, der die außersprachlichen Implikationen bezogen auf die Sprache des Autors oder dessen Figuren meint.
5. ÜBERSETZUNGSANSÄTZE FÜR LITERARISCHE
TEXTE
5.1. Levys Ansatz
Bei der Auseinandersetzung mit seinem Werk ‚Die literarische Übersetzung‗ stößt man auf zwei Methoden der Übersetzung:
1. illusionistische Methoden 2. antiillusionistische Methoden
„Die illusionistischen Methoden fordern, dass das Werk wie die Vorlage aussieht. Der Übersetzer von dieser Methode verbirgt sich hinter dem Original, das er selbst ohne Mittler dem Leser ein Ziel vorlegt. Dieses Ziel ist nichts anderes als eine übersetzerische Illusion, die bei dem Leser erweckt werden soll, und zwar, dass er die Vorlage liest. In allen Fällen handelt es sich um eine Illusion, die sich auf das Einvernehmen mit dem Leser oder Zuschauer stützt: So weiß auch der Leser einer Übersetzung, dass er nicht das Original liest, aber er will, dass die Übersetzung die Qualität des Originals beibehalte― (Levy, 1969: 31).
Deutlich wird, dass versucht wird Verfremdungseffekten die durch unterschiedliche Sprach- und Kultursysteme hervorgerufen werden können, vorzubeugen. Dieser Ansatz hält sich strikt am Original und lässt dem Übersetzer wenig Freiraum. Antiillusionistische Methoden bieten dem Übersetzer hingegen mehr Freiraum:
„Die antiillusionistischen Methoden bieten dem Publikum nur eine Nachbildung der Wirklichkeit an. Auch der Übersetzer kann von der übersetzerischen Illusion abweichen – er kommentiert nur das Originalwerk. Diese Übersetzungsart ist selten (hierher gehören z.B. die Parodie und die Travestie), denn ihr Hauptziel ist, dass sie die Vorlage 'erfassen' soll. Eine abstrakte, athematische Übersetzung wäre an dieser Stelle eine Antiübersetzung― (Levy, 1969: 32).
Levys Ansicht nach ist die übersetzerische Tätigkeit eine schöpferische Reproduktion des Originals.
‚Das Arbeitsverfahren dieser Kunst besteht darin, dass ein Sprachmaterial (Code) durch ein anderes ersetzt wird und folglich alle aus der Sprache hervorgehenden Kunstmittel selbstständig gestaltet werden. Der Sprachbereich, in dem sich dieser Vorgang abspielt, ist also original schöpferisch. Die Übersetzung als Werk ist eine künstlerische Reproduktion, das Übersetzen als Vorgang ein originales Schaffen‗ (Levy, 1969: 66).
Besonders deutlich wird, das Levy besonderen Wert darauf legt, dass die Werte des Originals erhalten bleiben. Eine realistische Übersetzung ist in dem Sinne vordergründig in seinem Ansatz. Das Erlebnis muss in der Zielsprach sowie in der Ausgangssprache gleich bleiben.
Das bedeutet, dass die Übersetzung vor allem funktionell sein muss. Weitere drei Schritte spielen ihm bei der Übersetzung eine besondere Rolle:
1. Wortgetreue philologische und stilistische Erfassung des Werkes, Erfassung des Werkes als ein ganzes Stück
2. Interpretation der Vorlage mit Hinblick auf den objektiven Kern der Vorlage 3. Umformulierung der Vorlage im Hinblick auf verschiedene sprachliche und
stilistische Systeme
5.2. Kloepfers Ansatz
Das übersetzungstheoretische Denken betrachtet ab der Antike ist für Rolf Kloepfer aus hermeneutischer Sicht zusammen zufassen. Seine Überlegungen knüpft er an Hugo Friedrich (1967) an, wobei er die Sicht vertritt, dass literarische Übersetzung eine individuelle Gestalt hat und ‚ einer eigenen Theorie bedürfe, die sich allerdings der Theorie der Dichtkunst und Hermeneutik anschließen müsse.‗ Diese Ansicht zeigt, dass die Übersetzung eine dichterische Produktion von Texten ist.
Nach Kloepfer ist, Übersetzen nicht von Verstehen zu trennen‗. Es handele sich beim Übersetzen um eine Progressionsart, die niemals abschließe. ‚Übersetzen ist eine Literationsform der Dichtung, sie ist deren Wiederholung.‗ (Kloepfer, 1967:16). Die vier Übersetzungstypen nach Kloepfer:
1. Übersetzung als Vermittlung von Göttersprachen zu Menschensprachen 2. Übersetzung im Sinne einer radikalen ‗primitiven‘ Wörtlichkeit
3. Freie Übersetzung
4. Übersetzung im Sinne einer zweifachen Verantwortung (dem Original und dem Leser gegenüber)
Kloepfer lehnt den Anspruch linguistisch orientierter Ansätze ab.
Da solche Theorien von Sprachsystemen ausgehen, könne sie dem typisch literarischen, insbesondere poetischen Sprachgebrauch, der sich durch hohe Individualität auszeichnet, nicht gerecht werden. Während die nicht-literarische Übersetzung in den Zuständigkeitsbereich von strukturalistischer Sprachwissenschaft und Informationstheorie falle, werde sich die Theorie der literarischen Übersetzung nicht von der Theorie der Dichtkunst und der Hermeneutik trennen lassen.
Kloepfer ist überzeugt, „daß der künstlerische Sprachgebrauch die Übersetzung zu einer prinzipiell nur mehr oder weniger, nie vollkommen lösbaren Aufgabe macht‗‗ (Kloepfer, 1966:10-12).
5.3. Apels Ansatz
Friedmar Apel vertritt die Ansicht, dass Probleme des literarischen Übersetzens nicht durch die hermeneutische Analyse bewältigt werden kann. Die Bedeutung der Übersetzungsrezeption werde durch den Leser bestimmt und müsse durch Aspekte der Geschichtstheorie betrachtet werden (Apel, 1938:67). Apel charakterisiert eine Vielzahl von übersetzungsrelevanten Aspekten und versucht die Übersetzungsprobleme, durch einen großen Interpretationsspielraum mit historischen Dimensionen zu lösen (ebd., 1983: 30).
Literarische Texte sind nach Apel nicht interpretationseindeutig. Ihre Mehrdeutigkeits- und Unbestimmtheitsstellen werden in verschiedenen historischen Situationen von Empfängern mit verschiedenen Verstehens-Voraussetzungen unterschiedlich verstanden.
„Was die Erfassung des Vorgangs des Übersetzens vor allem so ungemein kompliziert macht, ist, dass alle daran beteiligten Faktoren mit Ausnahme der Texte (nicht der Werke) selbst in ständiger Bewegung befinden.‖ (Apel, 2003: 30)
Der Originaltext ist für Apel unter bestimmten gesellschaftlichen, individuellen und historischen Bedingungen entstanden und steht in einem bestimmten Verhältnis zur Sprache. Deswegen muss man bei dem Übersetzungsvorgang wenigstens drei Erscheinungsformen von Verständnis einbeziehen (Apel, 2003:31).
- die Rekonstruktion der Wirkung auf den zeitgenössischen Leser unter Berücksichtigung des ‚Erwartungshorizontes‗.
- die Rekonstruktion des Verständnisses des Übersetzers als Bezug der Eigenschaften des Textes zu den zeitlichen Bedingungen des späteren Zeitpunkts der anderen Sprache, die entsprechenden Unterschiede der nationalen Tradition usw.
- das Verständnis des Wissenschaftlers als Zusammenhang von Erkenntnis und Interesse zu einem dritten Zeitpunkt.
Übersetzungsforschung ist nach Apel handlungsorientiert. Er beschreibt ein Feld von Möglichkeiten in denen er die Grenzen einer akzeptablen und inakzeptablen Übersetzung bestimmt. Vor allem sucht er die Antwort auf die Frage, wo die Grenzen dieser Faktoren liegen.
Er kommt zu dem Schluss, dass es solche bestimmte Grenzen nicht geben kann. Die Übersetzung sei, so wie die Romantiker behaupten eine unendliche Aufgabe. Das Einzelne soll nicht im Ganzen verschwinden; das spezifische Verhältnis des Besonderen muss zu seinem Begriff dargestellt werden. Die Wissenschaftlichkeit
soll im Verhältnis der Gegenstände zueinander begründet werden, wie etwa das Original und die Übersetzung (Apel, 2003: 32 -34).
Zusammenfassend kann man sagen, dass Apel die Meinung vertritt, die Theorie der literaturwissenschaftlichen Übersetzungsforschung solle sich auf das Verhältnis der Übersetzungstheorie zur Poetik, Sprachtheorie und Geschichtstheorie konzentrieren. Übersetzungstheorie sollte nicht ohne geschichtliche Basis betrieben werden. Denn dadurch werde deutlich, dass Übersetzen kein technisches Verfahren ist. Es handele sich eher um einen dynamischen, an die Werke und Geschichten gebundenen Problemzusammenhang.
5.4. Kollers Ansatz
Werner Koller besteht in seinem Werk ‚Einführung in die Übersetzungswissenschaft‗ (1938) auf die prinzipielle Übersetzbarkeit. Auch literarische Texte bezieht er in seine Theorie der prinzipiellen Übersetzbarkeit mit ein. „Es gibt kaum eine Frage in der jahrhundertealten Auseinandersetzung mit dem Übersetzen, die intensiver und kontroverser diskutiert worden ist, als die der theoretischen und praktischen Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Übersetzens.― (Koller, 1983: 134). In seiner Theorie stützt er sich auf Noam Chomsky, der der Meinung ist, dass zwar alle Sprachen eine unterschiedliche Oberflächenstruktur haben, aber die gleiche Tiefenstruktur besitzen. „…all languages are cut to the same pattern― (Chomsky, 1965: 30, zitiert nach Koller, 1983: 150). Sprache ist also – bei allen Unterschieden – ineinander übersetzbar (Koller, 1983: 150).
Unterschiedliche semantische Grundmerkmale können zwar zu Problemen führen, trotzdem sei die Übersetzbarkeit prinzipiell absolut (Koller, 1983:150).
Die Auffassung der prinzipiellen Übersetzbarkeit hängt auch mit einem anderen sprachtheoretischen Prinzip zusammen; die Ausdrückbarkeit, die wie folgt ausgedrückt worden ist: ‚Alles, was gemeint werden kann, kann in jeder Sprache ausgedrückt werden‗ (Koller, 1983: 150). Koller begründet seine Aussagen unteranderem mit solchen Behauptungen: