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Başlık: DİE ALTCHINESISCHE KULTUR UND DİE TÜRKENYazar(lar):EBERHARD, Dr. W. Cilt: 1 Sayı: 4 Sayfa: 031-038 DOI: 10.1501/Dtcfder_0000000383 Yayın Tarihi: 1943 PDF

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DİE ALTCHINESISCHE KULTUR UND DİE TÜRKEN

Prof. Dr. W. EBERHARD

Zusammenfassung.

Es lâsst sich zeigen, dass im 3. Jahrtausend v. Chr. auf dem Boden Chinas eine Anzahl von sogenannten Lokalkulturen bestanden haben 1,

wâhrend es noch keine "chinesische Kultur,, gab. Wo unjd was waren denn eigentlich die Chinesen selbst? Wir antworten darauf heute: Die gab es noch gar nicht, genau so, wie es vor 1400 Jahren noch keine Franzosen gab, wohl aber eine grössere Anzahl von Stammen und Völkern, aus denen bald danach Franzosen wurden. Die Untersuchun-gen an ailen hohen Kulturen, die bestehen, haben gezeigt, dass keine einzige von ihnen allein aus sich heraus gewachsen ist. Aile hohen Kulturen, die wir auf der Erde sehen und genauer untersuchen können, sind entstanden als ein Produkt des Aufeinanderwirkens verschiedenar-tiger Kulturen. Wenn dies nicht so wâre, so müsste man annehmen, dass die Völker, die die hohen Kulturen entvvickelt haben, einer be-sonderen Rasse angehörten, einer Rasse, die fâhiger als die anderen ist. Wiewohl dies zwar mehrfach behauptet wird, ist es bis heute in keiner Weise bewiesen, ja die Ergebnisse der modernen Psychologie sprechen dagegen2.

Wir behaupten also heute - und wir können das auch beweisen, dass es um 2500 v. Chr. noch keine Chinesen in dem Sinne, wie es sie heute gibt, gegeben hat, sondern auf dem Gebiet Chinas lebten die verschiedenartigen Völker, die wir a. a. O. aufgeführt haben. Völker leben nun nicht allein, voneinander getrennt und abgeschlossen. Schon die primitivsten Völker stehen miteinander in Beziehungen, friedlichen und kriegerischen. Diese Beziehungen haben nicht nur Musserliche Fol-gen, sondern greifen oft sehr weit in die Kultur der beiden miteinander in Beziehungen stehenden Völker ein. Man hat sich früher vorgestellt, dass solche Beziehungen zvvischen Völkern nur kriegerischer Art sein könnten, dass also das eine Volk das andere überfâllt und es

unter-1 Die hier gemachten Ausfiihrungen sind eine kurze Zusammenfassung der Er­

gebnisse meiner Arbeiten: «Kultur und Siedlung der Randvölkcr Chinas (Leiden, T'oung Pao 1942)», «Lokalkulturen im alten China» Bd. î (Leiden, T'oung Pao 1942) und Bd. 2 (Peking, catholie University 1942), sovvie die daraus zu ziehenden vveiteren Folgerun-gen; für den lctzten Teil vçl. eine in türk. Sprache vorbereitete Arbeit. Den alten S t a n d der Theorie gab mein Artikel «Early Chinese cultures» (Smithsonian Report 1937, Washington 1937).

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jocht. Wir kennen heute zahlreiche Beispiele dafür, dass es durchaus nicht immer so sein muss und dass friedliche Kontakte mindestens ebenso vvichtig sind 3. Gerade hierfür gibt die alte Geschichte Chinas

zahlreiche Beispiele.

Es traten also die eingangs geschilderten einzelnen Kulturen im Lauf der Zeit immer stârker miteinander in Beziehung. Dies geschah am heftigsten dört, wo für aile Stâmme ein Kolonisationsland war, öder wo ein Durchgangsgebiet war. Es gab in China Kolonisationsland: Dies waren die Mündungsgsgebiete des gelben Flusses und des Yang-tse. Diese Mündungsgebiete sind erst im Lauf der Zeit angeschvvemmt, und noch in geschichtlicher Zeit war ein betrâchtlicher Teil der heuti-gen Provinz Hopei unbewohnbar, weil völliges Sumpfland. Dört wird durch die Anschwemmung des Flusses immer mehr Land bewohnbar, und dieses wird nun von den umliegenden Völkern kolonisiert. Hierbei wandern von ailen umvvohnenden Völkern Teile ein, und die verschie-denartigen Einvvanderer kommen miteinander in die engsten Beziehun-gen. Genau derselbe Vorgang, der am Rand der nordchinesischen Tief-ebene stattgefunden hat, hat auch im Delta des Yangtse stattgefun-den; auch dört haben sich âhnliche Neubildungen von Kulturen gezeigt, wie am gelben Fluss. Ein Durchgangsgebiet andererseits war das Tal des Wei-Flusses, eines Nebenflusses des gelben Flusses, der aus der Provinz Kansu kommt und nach Osten durch die Provinz Shensi in den gelben Fluss fliesst. Südlich der Flussebene sind unwegsame Ge-birge, nördlich davon liegt die Steppe und Wüste. Das Tal selbst ist sehr reich und der einzige Durchgangsweg von Ostasien nach Zentral-asien. Daher war dieses Flusstal schon seit altesten Zeiten ein Durch-gangsgebiet, durch das Stâmme von Osten nach Westen und von Westen nach Osten fluteten. Auch in solchen Durchgangsgebieten, solchen "Engpâssen,, kommen die durchströmenden Völker miteinander in die engste Beziehung. So gibt es also in China 3 Gebiete, die für die Bildung einer hohen Kultur nach unseren heutigen Kenntnissen besonders geeignet sein mussten. In ailen 3 Gebieten sind auch tatsâchlich solche hohen Kulturen entstanden. Die Kultur, die im Yangtse -Delta entstanden ist, ist heute für unser Problem nicht so wichtig, daher wollen wir nicht nâher auf sie eingehen. Es ist die a. a. O. erwâhnte Yüeh-Kultur, die hauptsâchlich für Japan und Indonesien be-deutsam ist, nicht so für China selbst.

Viel bedeutender ist die Kultur, die im Huangho-Delta entstanden ist. In die sich neu bildenden Ebenen wanderten nâmlich von Süden her die Tai ein, für deren Ackerbau diese Ebenen âusserst güns,tig waren. In die Wâlder am Rand dieser neuen Ebenen wanderte ein

an-3 Hierfür sind vvichtig die Arbeiten von R. Thurnwald (Die Menschliche

Ge-sellsehaft IV, 229; Lehrbuch d. Völkerkunde, 2.Auflage, S. 266); W. Mühlmann (Krieg und Frieden, 1939) betont das Kriegerische zu stark.

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DİE ALTCHINESISCHE KULTUR UND DİE TÜRKEN 33

deres südliches Volk, die Yao, die in den Wâldern jagten und sam-melten. Von Norden her wanderten Tungusen ein, für deren Schweine die feuchten Ebenen und die Wâlder der ideale Boden waren. So bil-dete sich hier im Osten eine Kultur, in der wir Elemente ali dieser 3 Komponenten noch deutlich erkennen. Nach dem Fundort nennen wir diese Kultur die "Lung-shan-Kultur,,. Sie muss ungefâhr um 2.000 v. Chr. bestanden haben und war eine Kultur von Ackerbauern, die eine âhnliche Siedlungsform hatten, wie die alten Bewohner Anatoliens: Sie .wohnten auf Höyüks. Sie hatten Hâuser aus Kerpiç und Lehm. Aber sie waren gezwungen, ihre Siedlungen mit Mauern zu umgeben. Sie hatten 2 grosse Feinde: Der eine waren die in den Bergen am Rand der neugebildeten Ebenen wohnenden Bergvölker, vor allem die schon genannten aus dem Süden gekommenen Yao, die in die Ebene karnen und Raubzüge machten, so wie sie es im âussersten Süden Chinas noch heute machen; der andere waren die türkisch-mongolischen No-maden des Nordes, die in den grossen Ebenen ein glânzendes Feld für ihre Reiter und ihre Kriegswagen hatten, und schnelle Ueberfâlle ma­ chen konnten, so wie dies auch spâter im Lauf der Geschichte bis zum heutigen Tag noch an der Nordgrenze Chinas der Fail war.

Diese Kontakte vor allem mit den türkisch-mongolischen Völkern (unsere bisherigen Quelien erlauben uns noch keine saubere Trennung) waren nicht nur so negativ. Nomadische Völker können mit ackerbau-treibenden sehr gut zusammenleben und bilden dann eine ideale Gemein-schaft. Die Nomaden tauschen sich von den Ackerbauern die Agrar-produkte ein, die sie für den Winter brauchen, und geben dafür den Ackerbauern von ihren Viehprodukten ab, vor allem Leder, Wolle, aber unter Umstânden auch Milch und Milchprodukte. Der Kontakt aber kann auch so gehen, und scheint in diesem Gebiet so gegangen zu sein, dass die Nomaden die Herren der Ackerbauer wurden, die Regierung ausübten, das Militâr darstellten, wâhrend die Ackerbauer-die wirtschaftlich produktive Klasse des Landes darstellten. Beispiele für solche Vorgânge, die wir "Ueberlagerung,, nennen, haben wir auch aus der spâteren chinesischen Geschichte vielfach 4. So erscheint also

kurz nach der oben erwâhnten Lung - shan - Kultur eine neue, in der dieses Element der türkisch - mogolischen Kultur deutlich zu spüren ist. Dies ist die erste historisch nachweisbare hohe Kultur irf Ostasien, die sogenannte Shang-Kultur, die von etwa 1500-1050 v; Chr. bestanden hat. Wâhrertd wir für die Lung-shan-Kultur nur archâologische Zeug-nisse haben, haben wir für die Shang-Kultur auch schriftliche, sowohl aus der klassischçn chinesischen Literatür, wie von ihnen selbst, denn inzwischen war die Schrift erfünden, eine Vorform der spâteren chine-sichen Schrift Die Shang bilden nun den ersten Staat auf dem Boden

4 Vgl. mein demnachst erscheinendes Buch «Das Reich des Toba» (Leiden,

E. Brill.)

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Ostasiens, und wir müssen annehmen, dass es die Türk-Völker waren, durch die dieser ausserordentlich vvichtige Prozess der Staatsbildung erreicht ist.

Andererseits ist es sehr deutlich, dass der Einfluss der türkisch-mongolischen Kultur in diesem Staat und dieser Kultur noch nicht sehr stark ist.

Wâhrend der Zeit, wo in Ostchina, auf dem neugevvonnen "Koloni-sationsgebiet,, die eben geschilderten Vorgânge geschahen, gingen im Westen, in dem Durchgangsgebiet, der Ebene des Wei-Flusses, Dinge vor sich, die mindestens ebenso wichtig waren. Auchin dieses Gebiet stiessen Stamme der Tai vor und trafen dört mit Stâmmen der Türken zusammen, die von Norden her an die reichen Weiden der Flussebene dieses Durchgangsgebietes heranwollten. Dazu sassen auf ailen Bergen ringsum tibetische Völker mit ihren Schafherden. Wieder trat hier eine Vermischung der aufeinanderstossenden Kulturen statt, aber da die einzelnen Mischungskomponenten diesmal andere waren, war auch das Ergebnis ein anderes. Diesmal waren keine Tungusen dabei, und die Türken waren viel stârker. Mongolen waren, wenn überhaupt, nur schwach vertreten. Ferner karnen die Tibeter dazu. Als letztes ist ein schwacher Einfluss von Vorderasien her spürbar, den wohl türkische Völker vermittelt haben müssen. Die hier entstehende Kultur, deren Anfânge etwa um 2200 v. Chr. liegen, deren Blüte auch um 2000 v. Chr. war, wird nach dem Hauptfundort die Yang-shao-Kultur genannt. Sie ist in der europ'aischen Literatür durch ihre schöne, bemalte Kera-mik bekannt gevvorden, die Verwandtschaft zeigt zu der bemalten Ke-ramik von Vorderasien und Südosteuropa. Man hat aber die Verwandt-schaft âusserst übertrieben und behauptet, dass die Trâger dieser Kul-tur aus Südosteuropa eingewandert sein könnten. Davon kann nach den neuesten Untersuchungen chinesischer Forscher keine Rede sein: im Gegenteil, es ist durchaus unsicher, in welcher Art diese Verwandt-schaft zu deaken und vorzustellen ist5. Tatsache ist nur, dass die

Keramik nicht den Tai angehört.

Diese Yanghao-Kultur hat eine ziemlich weite Ausdehnung: nicht nur den ganzen Nordwesten des heutigen China, sondern in einer ge-wissen Abwaadlung gebört auch noch die innere Mongolei und die Mandschurei wenigstens teilweise dazu, ferner auch der âusserste Wes-ten Chinas, also das Grenzgebiet zu Turkestan. Das heisst, die Kultur der bemalten Keramik war in verschiedenen Abwandlungen überall dört verbreitet, wo unserer Kenntnis nach in der damaligen Zeit Türk-völker gesessen haben müssen.

Schon etwa ab 1600 v. Chr. tritt nun diese Kultur in starke Bezie-hungen zu der östlichen Kultur und wird von dieser sehr beeinflusst.

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DİE ALTCHINESISCHE KULTUR UND DİE TÜRKEN 35 Sie wandelt sich um. So dringt unter anderem auch die Schrift von

Osten her ein, und man versucht, die- eigene Sprache mit Hilfe der fremden Schrift zu schreiben. Politisch sind in der Zeit zwischen 1500 und 1100 hier keine starken grossen Staaten zu finden, sondern wohl eine grössere Menge von kleinen Staaten, die sehr kriegerisch sind, und vor allem mit dem Ostreich dauernd im Kriege liegen. Auch das Ostreich kam imner mehr unter den Einfluss türkischer Völker, was zur Folge hatte, dass der Staat sich verânderte, ebenso wie die Religi-on. Für die kriegerischen Weststaaten ist aber ihre militârische Organi-sation, die identisch mit der Staatsorganisation ist, das Typische und Wichtige. In diesem Punkt der eine Folge des stârkeren Vorherrschens türkischer Völker ist, sind sie dem Reich im Osten überlegen. Gegen 1100 v. Chr. nun bildet sich auch im Westen schliesslich ein Staat heraus, der krâftiger ist als die anderen, diese anderen annektiert und nun im Westen ein grosses einheitliches, militârisches Reich bildet. Die-ser neue Staat hatte neben einer Führerschicht, die türkisch gewesen zu sein scheint, sehr stark tibetische Völker mit herangezogen, die auch verhâltnismâssig kriegerisch avaren, wâhrend die Tai- Völker als reine Ackerbauer unkriegerisch, friedlich waren. Diese Tai waren auch immer noch im Ostreich die führende Schicht, so dass das Ostreich zwar materiell reicher und kültüreli differenzierter, aber militârisch schwâcher als das Westreich war. Etwa um 1050 v. Chr. kam es zu dem Zusammentoss zwischen dem starken Westreich, das sich das "Reich der Chou,, nannte, und dem Ostreich, dem Reich' der Shang. Dabei zerbricht das Ostreich vollkommen, und die Chou sind die Herr-scher über beide Reiche und damit über ganz Nordchina. Beide Kul-turen gehen ineinander über und bilden nun in einem Prozess, der die nâchsten 2 Jahrhunderte andauert, das, was wir als eigentliche "chinesische Kultur,, bezeichnen können, das was- sich in seinem tief-sten Grunde nicht mehr prinzipiell verândert hat. Auch in diesem Reich der Chou ab 1050 v. Chr., dem ersten wirklichen chinesischen Reiche, ist noch der türkisch-mo.ıgolische Einfluss stark und deutlich, erst all-mâhlich schwâcht er ab gegenüber dem Einfluss des Tai-Elements. 1050 v. Chr. ist also für uasere heutige Auffassung das Geburtsdatum der eigentlichen chinesischen Kultur. Erst zu diesem Zeitpunkt ver-schmolzen die beiden grossen Kulturen des Ostens und des Westens, die beide in gewisser Hinsicht zwar miteinander vervvandt, aber doch im Grunde voneinander recht verschieden waren. Erst nach 1050 v. Chr. bildet sich eine neue Gemeinschaft von Leuten, die sich nun als eine Einheit fühlen, die sich "Chinesen,, nennen und sich als etvvas Höhereş, Besseres empfinden als ihre Nachbarn, die sie verâchtlich als Barbaren bezeichnen. Erst von diesem Zeitpunkt an setzt nun eine umgekehrte Bewegung ein. Bis zu diesem Zeitpunkt strömten die verschiedenen Einzelkulturen aufeinander zu und verschmolzen miteinander. Nun

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aber, als das Verschmelzungsprodukt, der "Chinese,,, entstanden war, strömt diese neue chinesische kultur aus auf die Reste, die von den Einzelkulturen noch erhalten geblieben waren, und versucht, diese Einzelkulturen mit einzuschmelzen, mit einzubeziehen in die neue Ein-heit. Es beginnt die Expansion des Chinesentums, die im spâten 10. Jahrh. v. Chr. zuerst schwach einsetzt, und bis zum heutigen Tag noch nicht beendet ist.

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Es ist erwâhnt worden, dass wir in der Zeit um 2500 v. Chr. von einer frühen türkischen Kultur in Ostasien sprechen können6, einer

Kül-tür, die in den danach folgenden Perioden einen tiefen Einfluss auf die Bildung der richtigen "chinesischen,, Kultur ausgeübt hat. Man kann sagen, das ohne die Einwirkung der Türken und ihrer Kultur nie eine chinesische Kultur in dieser Form enstanden wâre. Und es muss betont werden, dass die Einwirkungen der türkischen Kultur auf die sich biîdende chinesische Kultur ausserordentlich bedeutsam waren. Man kann sagen, dass auch viel türkisches Blut in diesen Leuten steckt, die wir als Chinesen bezeichnen und die durchaus keine ein-heitliche Rasse darstellen, wie heute aile Anthropologen bestâtigen.

Die eine Quelle für unsere Kenntnis von Dingen, die so weit zürück-liegen, ist selbstverstândlich die Archâoiogie. Durch Ausgrabungen chinesischer und schvvedischer Forscher in den letzten 20 Jahren sind wir heute in der Lage, ein einigermassen voîkommenes Bild von den verschiedenen Kulturen Ostasiens in vorgeschichtlicher Zeit uns zu

machen. Aber bei ailen Dingen, die die Archâoiogie uns geben kann, bleiben grosse Lücken offen. .

Hier setzt die Ethnologie und Kulturgeschichte ein, und durch das Zusammenarbeiten beider Wissenschaften zusammen mit der Sinologie lassen sich diese Lücken ausfüllen. Die Arbeitsweise, nach der man vorgegangen ist bei diesen Untersuchungen, deren Ergebnisse, ich eben kurz mitgeteilt habe, ist folgende: zunâchst einmal wurden möglichst sâmtliche Nachrichten der Chinesen über ihre Naehbarvölker gesammelt7.

6 Vgl. W. K o p p e r s : Urtürkentura ( Belleten, A n k a r a , Nr: 20, S. 493, 1941).

7 Manche haben, obvvohl sie, e b e n s o wie a n d e r e , grundsâtzlich der Aufstellung

d e r «Randvölkerkulturen» zugestimmt haben, die Zuverlâssigkeit d e r chinesischen ethnographischen Quellen angezvveifelt und darauf hingevviesen, d a s s auch die Berichte d e s H e r o d o t , Tacitus, ja s e l b s t die des Mittelalters noch g e n u g P h a n t a s t i s c h e s und Mârchenhaftes enthielten. D a g e g e n ist zu s a g e n : a) die chin. e t h n o g r . Berichte sind zu politischen Zwecken gemacht, e r s t r e b e n daher selbstverstândlich höchste Genauig-keit, wâhrend die g e n a n n t e n europaischen teilweise wirklich raehr zur U n t e r h a l t u n g d e r G e b i l d e t e n dienten, als d a s s sie Wissen vermitteln vvollten. b) die Benutzung und systematische Behandlung des Materials ergibt ein nach dem heutigen S t a n d d e r Ethnologie d u r c h a u s sinnvolles Bild d e r verschiedenen K u l t u r e n ; die Q u e l l e n können also nicht so unzuverlassig sein. S e l b s t anscheinend mürchenhafte Berichte, wie die von

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. DİE A L T C H I N E S I S C H E KULTUR UND DİE T Ü R K E N 37

Diese Nachrichten beginnen etwa 700 v. Chr. und reichen bis zur Jetzt-zeit. Es handelt sich um ein ungeheures Material. Mehr als 2000 Stâm-me und Völker werden ervvâhnt und Stâm-mehr öder weniger ausgiebig beschrieben. Dieses ganze Material musste gesichtet und geordnet wer-den. Es ergab sich bei der Ordnung, dass schon die Chinesen selbst die verschiedenen Einzelstâmme zu grossen Gruppen zusammengefasst hatten, die sie zwar nicht mit demseiben Namen bezeichneten, wie wir es in der modernen Wissenschaft heute tun, die sieh aber mit den modernen Einteilungen doch fast immer gânz decken. So liessen sich am Rande Chinas eine Anzahl von Randvölkerkulturen feststellen, und aile für diese Kulturen typischen Dinge genau darstellen. Durch die Quellen, die mehr als 2500 Jahre umfassen, konnte man genau feststel­ len, wo die Sitze der einzelnen Kulturen zu den verschiedenenjfeschicht lichen Perioden waren, und wie sich dâs Siedlungsgebiet im Lauf dieser Zeit verândert hatt. So liess sich eine Karte der Völkerver-breitung in vorchristlicher Zeit zeichnen, und zugleich liess sich die Kultur der einzelnen Völker gut beschreiben: Schon daraus ergaben sich manche interessante Dinge.

Nach dieser Untersuchung wurde nun die sogenannte chinesische Kultur selbst untersucht. Es wurden einzelne Dinge aus der Kultur her-ausgenommen. Es wurde untersucht, welche Rolle sie in der chinesischen Kultur spielten, seit wann, und wo sie die bedeutendste Rolle spielten. Dabei zeigte sich, dass gewisse Dinge nur in gewissen Gebieten Nord-chinas eine grössere Bedeutung hatten. Nun vvurden an diese Diskussion anschliessend aile Dinge behandelt, die in der chinesischen Kultur mit dem erstbehandelten Kulturgut zusammenhângen. Auchhierbei wurdewieder gezeigt, dass diese aus demseiben Gebiet stammten. Bei ali diesen einzelnen Untersuchungen ergab sich, dass eine gewisse Gruppe von Kulturgütern mit dem Norden zusammenhing, und zwar mit einem bestimmten Ge­ biet. Auf diese Weise vvurden hunderte von einzelnen Untersuphungen gemacht. Dieselbe Untersuchung wurde natürlich auch für andere Dinge gemacht, die dann ebenso deutlich nach dem Süden wiesen, wîe be-stimmte Hausformen, Herdformen, u. s. w. Nachdem diese "Lokalkultu-ren„ festgestellt waren, vvurde untersucht, we!che Beziehungen sie zu den vorher definierten Randvölkerkulturen * haben, die in der Nâhe

den Leuten mit durchlöcherter Brust, enthalten einen wahr'en Kern, den man durch genügende Materialkenntnis herausholen kann. Ferner kommen für einen Versuch, den nicht-einheitlichen Ursprung der chinesischen Kultur zu erweisen ( d i e s e Idee ist von A. Conrady, H. Maspero u. a. bereits vorgebracht vvorden, aber keiner h a t es unter-nommen, die einzelnen Komponenten zu isolieren und darzustellen, da keiner das Material durchg-earbeitet h a t t e ), eben einzig und allein chinesische Quellen in Frage als die altesten. Moderne chinesische und europaische Werke können nur beilâuıig zu Vergleichs-zwecken und zur Ergânzung herangezogen werden, da möglichst altes Material zur Aufhellung der Zustânde der alten Zeiten benutzt werden muss. Es bleibt also gar keine a n d e r e Wahl.

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festgestellt waren. Es zeigte sich, dass die Lokalkulturen nur eine âltere Form der Randvölkerkulturen waren. Nun lassen sich aus den Quel-lennachrichten viele dieser Dinge genau datieren. Dies lâsst eine Datie-rung bis in die Shangzeit, also das 15 Jahrh. v. Chr. zu. Bei vielen Dingen ergibt sich aber, dass sie noch viel âlter sein müssen als die Shangzeit, und durch Vergleichung mit den Ergebnissen der Archâo-logie lassen sie sich dann auch noch höher datieren.

So waren wir also in der Lage, festzutellen, dass ali die in einem bestimmten Gebiet Nordchinas auftretenden Dinge vollkommen mit der spâteren als türkisch festgeştellten Kultur übereinstimmen, und konnten daher sagen, dass es sich um eine türkische Kultur âuf chinesischem Boden handelte. Und auf die geschilderte Weise liess sich das Alter dieser türkischen Kultur auch feststellen.

Wie sah diese alte türkische Kultur aus? im Grunde nicht viel anders als die türkische Kultur auch noch der spâteren Zeit. Diese Leute waren hauptsâchlich Pferdezüchter, trieben nebenbei etwas Anbau, wogegen die Jagd (entgegen den Behauptungen mancher âlteren For-scher) kaum eine Rolle mehr bei ihnen gespielt hat. Sie hatten eine Himmelsreligion, in der der Kült des Himmelsgottes, der durch die Sonne vertreten war, die höchste Bedeutung hatte. Die ganze Religion war sehr stark astral, d. h. es war eine Art Gestirnsreligion. Daneben gab es einen Kült des Feuers. Es gab eine ausgebildete Regierung und die Gesellschaft war geschichtet, d. h. es gab eine Oberschicht von. Adligen und eine Unterschicht von Sklaven. Die Frau spielt in dieser Gesellschaft eine ziemliche Rolle, wenn auch der Mann nach aussen zu der Herr ist. Es würde zu weit führen, hier aile weiteren Einzelheiten, die wir noch wissen, aufzuzâhlen.

Gerade die politische Organisationsfâhigkeit aber, die bei ailen Nomadenvölkern infolge ihrer Wirtschaftsform besonders ausgebildet ist, war das wichtige Element, das durch die Türken hineingebracht ist in den Prozess der Bildung der chinesischen Kultur; mit diesem ver-band sich die Religion und Philosophie und die Familienorganisation. Diese Dinge sind in der sich bildenden chinesischen Kultur die Grund-pfeiler geworden, und sie sind es, denen es zu verdanken ist, dass sich die chinesische Kultur weiter entwickelt in und bis zum heutigen Tage nicht vergehen konnte. Viele andere Dinge sind noch dazu ge-kommen aus dieser alten türkischen Kült ar, aber keines ist so wichtig wie diese genannten. In ihnen liegt die vvelthistorische Bedeutung der Türken.

Sie sehen also, dass diese sinologischen Untersuchungen über die alteste Geschichte Chinas und das Werden Chinas zugleich auch ein Licht auf die alteste türkische Kultur werfen, dass sie uns Auskunft geben können über Dinge aus Zeiten, die wir aus anderen Quellen nicht mehr erfahren können.

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